ich brauch echt ferien.
die woche begann zwar friedlich, mit einem pädagogischen tag. die kinder hatten frei, wir lehrer durften zur schule gehen. das schöne dabei: erst um acht uhr beginn, da war mal wieder "ausschlafen" angesagt ;-)
der stress begann dann erst am dienstag: kaum in der schule am morgen, hatte ich von sieben bis halb acht aufsicht. danach kamen drei lektionen schule. die grosse pause um zehn uhr war mir auch nicht gegönnt, da ich eine sitzung hatte. das ging so weit, dass ich keine zeit hatte, um meine tägliche scheibe ananas zu essen! weiter gings mit drei lektionen schule. und kaum aus um 12 uhr, hatten die eltern meiner kinder eine sitzung, der ich auch noch beiwohnte bis um eins. das war ein marathon!!! hat jedoch gut getan, die eltern noch anders als so wie am elternabend zu erleben! bin nun viel positiver eingestellt.
der richtige stress kam dann jedoch erst am donnerstagmorgen, als wir, diesesmal pünktlich, mit dem auto los fuhren. nicht weit kamen wir und wir blieben stehen. stehend in einer kolonne. stehend ohne zu wissen, wieso, warum, wie lange noch, etc. und immer noch standen wir. bis einige autos vor uns die idee hatten, ihr auto zu kehren, so dass wir nachfragen konnten, was auch los sei. tja, diesesmal gab's auf der brücke einen unfall. auf der brücke! die einzige brücke mit der wir nach pavas kommen!!! was nun???
glücklicherweise gibt's noch eine autobahn, die jedoch am anderen ende von heredia ist. so kehrten auch wir das auto, gingen wieder nach heredia (am liebsten wäre ich ausgestiegen und schlafen gegangen) richtung autobahn. natürlich auch im lauftempo, weil jeder andere auch diese glorreiche idee hatte. aber, mit hilfe von ein paar eher "unfreundlichen", jedoch verzweifelten überholmanövern, kamen wir an! diesesmal sogar um 7:20 uhr! konnten also gemächlich in die schule laufen, ich konnte meine banane mit genuss verdrücken und den unterricht locker beginnen. :-) ach, ich liebe den stress!!!
am freitag hätte ich um zwölf uhr der schule schliesslich gerne tschüss gesagt, aber dieses mal ging dies nicht. meine kinder, die parallelklasse und ich hatten die noche de lectura (was mir teilweise wie eine noche de locura vorkam...). eine lesenacht also, die dem wort gerecht wurde und wir deshalb in der schule übernachteten. um halb sieben kamen die kinder samt gepäck und ich kam mir vor, als ob wir für eine woche in die ferien fahren würden! als ich dann noch sah, was wir alles zu essen dabei hatten, dachte ich mir, wir gingen für einen monat verreisen! war jedoch nicht meine schuld! kann ja auch nichts dafür, wenn jede mutter denkt, dass ein bisschen mehr nicht schadet und das doppelte einkauft... :-)
aber auch für dieses problem gab es eine lösung: das übrig gebliebene übergaben wir am schluss nämlich den bauarbeitern und wächtern der schule. die hatten eine riesige freude daran und konnten bestimmt mehr als ein festmahl verspeisen!
die nacht war teilweise ziemlich chaotisch (49 schüler, nur zwei lehrer), es hat jedoch spass gemacht und gab viele momente, die einfach total friedlich und harmonisch waren. es war auch super, die klasse anders als im klassenzimmer kennen zu lernen und ich merkte, wie sie mir mehr und mehr ans herzchen wachsen. ich bin auch stolz, wie sie auf mich hören und konnte feststellen, dass meine klasse einiges geordneter war als die andere ;-) auch war bei mir um mitternacht ruhe und schliefen die kinder, womit ich ein paar stunden schlaf bekam. morgens um sechs war jedoch mit der ruhe schluss und es ging weiter. um acht kamen dann die eltern und ich war froh, ihnen und der schule für einen tag tschüss sagen zu können :-)
der samstag erlebte ich ein bisschen benebelt von dem wenigen schlafen. nichts desto trotz ging ich tapfer an die feria, gönnte mir jedoch samt gemüse und früchte die taxifahrt nach hause ;-)
am abend war fussball angesagt: mexiko gegen costa rica. ich ging zu eder's schwester, wo sich die halbe familie versammelte um diesen grossen anlass mitzuerleben. hier sind fussballspiele wirklich ein grosses ding. während einem spiel kann man hin, wo man will, man hört aus jedem haus und jeder beiz nichts anderes als die stimme des kommentators im fernseher (würde walter scheible diesem jedoch vorziehen ;-)). leider gab's am schluss nicht viel zu feiern, 2:0 für mexiko...
am sonntag konnte ich ein bisschen schlaf nach holen und wieder wurde für die schule vorbereitet. mein herz erfreut sich jedoch: in vier tagen ist schluss und ferien!!!
wieder eine woche vorbei. echt unfassbar, wie schnell die zeit hier vergeht.
aber mit examen korrigieren und unterricht vorbereiten ist dies auch kein wunder. und nichts als nötig! noch zwei wochen muss ich durchhalten bis ferien sind und ich meine leeren batterien wieder aufladen kann.
ich frage mich die ganze zeit, warum das leben hier drüben so viel mehr energie braucht, als in der schweiz. schlussendlich sind es wohl viele verschiedene faktoren, die zusammen kommen (neue schule, ungewohntes umfeld, ungewohnte erwartungen anderer, ...) und die ich im moment nichts als annehmen und akzeptieren muss. ein prozess, der wohl noch eine weile braucht.
die woche verlief wieder positiv, ohne unangenehmen zwischenfällen also. examen wurden geschrieben, bis die köpfe vor anstrengung rot anliefen und examen wurden korrigiert, bis mein kopf rot anlief und ich nun kein weiteres examen mehr sehen möchte. :-)
der anfang der woche versprach jedoch alles andere als eine ruhige woche: meine kollegin, die mich täglich mit ihrem auto mitnimmt, verspätete sich um zehn minuten. da fragt man sich: zehn minuten, was solls?! hier bedeuten jedoch zehn minuten unter umständen, dass man eine stunde später als sonst ankommt, weil man genau in der rush-hour landet. wir landeten dort. inklusive zwei unfällen, die den verkehrsfluss total behinderten. um 7:28 kamen wir schliesslich in der schule an, um 7:30 begann die schule... das nenn ich stress! den ganzen tag rannte ich dann schliesslich von einem ort zum anderen und erledigte noch alles, was ich am morgen nicht machen konnte... so was möchte ich niemals wieder erleben!
der rest der woche verlief dann ruhig.
am dienstag nach der schule besuchte ich noch meine "alte schule" vom letzten jahr. war das eine riesen freude! die kinder haben sich so sehr gefreut, dass ich innerhalb von zehn minuten zig briefe mit "ich hab dich lieb"-erklärungen darauf in meinen händen hielt und von ihren umarmungen fast umfiel. unglaublich auch, an was sie sich noch alles erinnern konnten! dinge, die ich schon lange vergessen habe, wollten sie wissen, ob ich mich noch daran erinnern könne.
die schüler haben sich ziemlich verändert. die einen schossen in die höhe (drittklässler und der eine ist schon fast grösser als ich! ich weiss, ich weiss, das ist ja auch keine kunst bei meiner grösse ;-)) und die anderen schossen sichtlich in die breite. aber alles immer noch schnüggels, die ich bestimmt nicht zum letzten mal besucht habe!
am wochenende konnte ich wieder richtig entspannen. am samstagabend gab's bei mir für zwei freunde eine "how-to-make-sushi"-lektion. sie waren von der technik tief beeindruckt. und noch mehr, als sie diese selber ausprobierten und merkten, dass auch sie schöne sushi zubereiten können! :-)
bei meinem wöchentlichen besuch an der "feria" in heredia konnte ich diesen samstagmorgen meinen augen nicht trauen: vor mir stand eine frau mit einem migros-sack!!! die orange schrift konnte man, trotz bunten früchten überall, nicht übersehen! ich konnte es natürlich nicht lassen und musste sie ansprechen. mit einem spanisch-akzent-bereicherten spanisch antwortete sie mir, sie sei von der schweiz und habe diesen mitgenommen. und dann gings natürlich auf schweizerdeutsch weiter. das tat gut! nach telefonnummer-austausch verabschiedeten wir uns und ich war mir eigentlich schon sicher, nichts mehr von ihr zu hören. doch kaum eine stunde später, klingelte das telefon und ich wurde auf ein sonntagsausflug mit ihr eingeladen. das nenn ich spontaneität! :-)
wir gingen nach atenas, ein kleines dörfchen, etwa 45 minuten von heredia entfernt. alles ein bisschen ruhiger, grüner und noch wärmer als in heredia. sonja, eben die schweizerin, kennt dort einen deutschen, der erst gerade vor kurzer zeit ein restaurant eröffnete. ich konnte wieder einmal seit langem in ein knuspriges brot beissen und sonja sass glücklich vor einem cervelat-salat, von dem sie schon lange träumte.
nach einigen stunden geschwätz (sie ist bereits pensioniert und hat einiges erlebt!) ging's wieder zurück, schliesslich musste ich noch für die schule vorbereiten.
aber das tat gut, dieses wochenende samt ausflug! energie sollte jetzt wieder genügend vorhanden sein für die kommende vorletzte (!) woche...
ich kann es immer noch nicht fassen und bin ganz baff, aber die vergangene woche verlief einwandfrei positiv!
die stunden mit den kindern machten richtig spass, man merkt, dass sie sich langsam an mich und ich mich an sie gewöhnt habe und wir wissen, was geht und was nicht. da braucht es manchmal nur blicke und es wird verstanden, was gemeint ist. so kann man arbeiten!
naja... sofern man nicht von übermenschlichen kräften gestört wird (nein, keine ufos):
am donnerstag, ein gewöhnlicher tag wie jeder andere, unterrichtete ich um elf uhr im klassenzimmer der "kleinen", mathematik. gerade wollte ich eine schülerin zahlen auf dem hunderterfeld (ja, jetzt dürfen sie schon bis hundert zählen!) abfragen, als plötzlich ihr pult rüttelte. ich dachte "ach, diese kinder! wollen wieder einmal die aufmerksamkeit wecken und rütteln am pult" (natürlich in mundart). hab also extra nicht aufgeschaut. 15 sekunden später sagt ein junge "sie, ein erdbeben!" (natürlich in spanisch). "übertriebene sache!" hab ich gedacht, ging aber raus, wollte die kinder ja wieder beruhigen. und da sehe ich, dass die halbe schule schon draussen stand. hoppla! wirklich ein erdbeben! so versuchte ich die angsterfüllte kinder-meute zu beruhigen und sie dazu zu bringen, nicht gleich die vordersten über den haufen zu rennen. aber sie verhielten sich erstaundlich ruhig (ich glaube, ich war nervöser, war schliesslich mein erstes :-)). so versammelten wir uns draussen, warteten einige minuten und gingen wieder ins zimmer hinein.
so fühlt sich also ein erdbeben an! wow!
dem aber nicht genug! am nachmittag zu hause angekommen (ja, ich weiss, lehrer haben's schön, die haben am nachmittag frei) sass ich vor dem compi und arbeitete für die schule (jaaaa, die nachmittage sind nämlich dafür da, den nächsten tag vorzubereiten!). wieder bebte für kurze zeit der tisch. ich blieb sitzen und die frage "was nun?" schoss durch meinen kopf. hab mich an meinen papi erinnert, der mir sagte, ich soll unter einen türrahmen stehen. das machte ich also. doch der spuk war schon vorbei, sobald ich im türrahmen stand. wieder eine eher kleinere sache also. wobei ich nachher nachlas, auf der richterskala erreichte dieses eine glatte sechs! aber da das zentrum gut 300 kilometer weit weg lag, fühlten wir hier nicht viel davon.
mir reichte es auf alle fälle für's erste einmal :-)
der rest der woche verlief dann noch ruhig. sehr ruhig sogar, denn momentan haben wir examen-zeit. nicht so wie in der schweiz, wo die kinder immer wieder irgendwelche tests haben, haben hier die kinder nämlich nur alle sechs wochen ein examen. meine vierte hatte in deutsch den test und ich bin mit dem resultat sehr zufrieden. sie hatten also doch was gelernt bei mir! :-)
das wochenende verbrachte ich schliesslich mit korrigieren und vorbereiten, wie soll's auch anders sein.
am samstagabend gab's wieder einmal sushi... diese dinger machen einfach süchtig! :-) dieses mal jedoch liessen wir sie uns machen und gingen ins restaurant. wir sassen direkt am schauplatz und konnten zusehen, wie profis diese kunstwerke verfertigen. so konnten wir uns ein paar tricks abkucken, damit unsere nächsten sushi noch schöner werden ;-)
am sonntag war schlafen angesagt. ihr könnt gar nicht glauben, wie sehr ich mich auf die ferien freue (noch drei wochen ;-))! ich werde die hälfte davon verschlafen!
gerne würde ich ja loslassen und euch erzählen, was mir diese woche alles passiert ist. aber leider, leider geht dies nicht. angenommen, ich würde euch erzählen, was mir widerfahren ist, könnte ich euch wohl schon bald wieder persönlich in der schweiz begrüssen. darum, lassen wir's lieber ;-)
soviel zu meiner situation: es ist nicht einfach hier (und damit beziehe ich mich auf die arbeit in der schule). und zwar aus dem einfachen grund, weil zwei kulturen aufeinander stossen, die eine total andere auffassung von schule und bildung haben. resultierend, dass ich wohl meine auffassung über bord schmeissen muss, sofern ich nicht einen nervenzusammenbruch erleiden möchte.
aber zum glück gibt es im leben auch noch anderes (obwohl dies momentan wirklich sehr kurz kommt). so konnte ich mit freuden feststellen, dass die mango-saison definitiv begonnen hat. "la feria" hat bald nichts anderes mehr als diese früchte, in allen farben und arten, die es gibt. da habe ich auch schon eine neue entdeckung gemacht: die mango cele. die mango, die in zukunft bergeweise in meinem kühlschrank anzutreffen ist. :-) diese hat eine süsse, die alles andere übertrifft. wenn ihr gelegenheit habt: unbedingt probieren. hahaha (muss auch meine freuden haben, ihr habt dafür willisauerringli, das ist schwer zu übertreffen :-)
exkurs:
damit ihr eine idee habt, welche mangoarten dass es gibt, schaut euch das bild links an (ist zwar von hawaii). und ich bin mir sicher, dass in costa rica noch mehr vorhanden sind ;-)samstagmorgen war also eine pure freude. auch der abend war super, endlich war wieder einmal tanzen angesagt! ich merkte jedoch schnell, dass ich dies zu lang vernachlässigt habe, habe ich doch sicher die hälfte der schritte vergessen! deshalb, in zukunft wird wieder öfters getanzt oder sonst werde ich ständig mit blauen flecken herum laufen, weil es auf dem parkett einen zusammenstoss gab.
am sonntag war dann ausschlafen angesagt und erneutes einstimmen in die neue woche.
leider ging das wochenende wieder viel zu schnell vorbei. doch konnte ich zumindest wieder energie tanken und hoffe jetzt, dass dies auch für die kommende woche reichen wird.