29 May 2011

wenn die schule meine träume raubt

der blog geht weiter, nur ein bisschen privater. nachdem mich ein arbeitskollege gefragt hat, ob das wahr sei, dass ich einen blog hätte, in dem ich mich jeweils über die schule beklage, dachte ich mir, dass es an der zeit wäre, alles ein bisschen zu privatisieren. schliesslich möchte ich nicht wegen eines bloges ohne job da stehen. aber über die schule möchte ich mich auch weiterhin beklagen können, das lass ich mir auch nicht verbieten.

in den vergangenen woche hat mich die situation mit meiner sechsten klasse immer mehr bedrückt, bis mich eines nachts sogar einen albtraum heimsuchte: verzweifelt versuchte ich, die aufmerksamkeit der klasse zu gewinnen, um ein arbeitsauftrag zu verkünden, doch keine sau hörte mir zu. als ich am mittwoch vor der klasse stand, hörten sie mir zwar zu, aber es war ein geschnurr. so erzählte ich ihnen von meinem traum und meiner vermutung, dass es in wirklichkeit auch bald so weit kommen wird, dass mir niemand mehr zuhört. bestimmt eine viertelstunde haben wir dann darüber diskutiert, was sie und was ich verbessern könnten, damit es wieder so klappt wie früher.
was sie mir vorwarfen: bei ihnen spielen wir nie. ha, da konnte ich das lachen nicht verkneifen und hab sie gefragt, wie sie sich dann die kommende sekundarschule vorstellen... schlussendlich versprach ich ihnen, mehr gruppenarbeit durchzuführen und sie gaben mir ihr wort, auch in der gruppe zu arbeiten und nicht immer einen allein arbeiten zu lassen. mal sehen, ob das klappt oder ob das nur leere worte waren...

der freitag stand schnell vor der tür, obwohl dieser noch nicht ganz wochenende bedeutete, da wir am samstag wieder einmal an einem ach so tollen anlass von der schule arbeiten mussten. diese gelegenheit, dass sich alle kollegen in san josé befinden werden am wochenende, nützten wir und schmissen seit langem wieder eine party bei uns zu hause. doch mehr pech hätten wir nicht haben können: am nachmittag begann es aus dem himmel zu schütteln, was das zeug hielt. flüsse und wasserfälle bildeten sich vor und hinter und sogar im haus. unglaublich, seit oktober haben wir so was nicht mehr erlebt. dazu blitz und donner, bis wir fast schwerhörig wurden. und plötzlich, um fünf, ging der regen und gleich damit das licht. und dieses kam nicht wieder bis um elf uhr in der nacht. und wir hatten unsere party, bei kerzenschein und stille ;-) trotz allem kamen viele leute und der abend wurde gemütlich.

am samstag dann eben das sogenannte humboldt-festival, an dem wir aufgefordert/verpflichtet wurden, eine stunde würste zu verkaufen. als ich die liste vor wochen im lehrerzimmer neu hängen sah, schrieb ich mich auch gleich ein und ergatterte eine schicht von zehn bis elf. nicht zu früh und nicht zu nah an der mittagszeit, wo jedermann hunger verspürt. so war's dann auch: viel zu viele lehrer waren anwesend, weshalb dann meine arbeit darin bestand, das brötchen zu entzweien, damit meine kollegin die wurst reinstecken konnte. punkt elf gab ich mein wichtiges amt ab und flüchtete auf direktem weg aus der schule, möglichst allen eltern ausweichend... und dann, endlich wochenende!

22 May 2011

ja häi!

x-mal habe ich diese wörter die vergangene woche benutzt.
gleich montags kam das erste "ja häi!", als ich mit meinem fahrrad die sc
hule verlassen wollte. der wächter hielt mich auf und versuchte mir zu erklären, dass ich 20 minuten warten müsse, bis alle kinder, eltern, sowie schulbusse das schulareal verlassen hätten. und warum das jetzt seit neustem? bisher konnte ich mich samt fahrrad immer durch die menge schieben und keiner hat was gesagt. die antwort "steht im reglament. fahrräder haben genauso zu warten wie die autos" hab ich nicht auf mir sitzen lassen. ich lief auf direktem weg zum chef aller wärter, der mehr als nur "reglament über gesunder menschenverstand" in seinem kopf hat, schilderte mein behagen und wurde dann von ihm beruhigt "natürlich kannst du vorher raus, mach einfach das tor selber auf". das wär also geklärt.
ich habe viel gelernt in den vergangenen drei jahren costa rica: geht was nicht, einfach zur obersten person rennen und sich beklagen. und schon klappts... traurig aber wahr.

am mittwoch dann folgte ein erneutes "ja hei": der vierstündige elternabend stand auf dem programm. jahre zuvor gab's für mich während dem ganzen abend kaum verschnaufspausen. dieses jahr wurde es mir sogar langweilig. die erste stunde hatte ich pausenlos was zu tun, doch danach folgte eine zeit, in der die eltern in mehr oder weniger grossen abständen ins zimmer tröpfelten. ich interpretiere dies jetzt mal als gutes zeichen. scheinbar vertrauen sie mir nun, glauben endlich, dass ich trotz jungen alters lehrerin bin und meinen job gut mache.

das dritte und letzte "ja häi" folgte am sonntag. um zu sehen, ob ich mit meinem lauftraining schon irgendwelche fortschritte erzielen konnte, rannte ich an einem 10 kilometerlauf, von musmanni, mit. je näher der anlass rückte, desto unruhiger wurde ich, denn fast alle leute, die ich fragte, bestätigten mir, dass die strecke sehr hart sein wird. so erhöhte ich einfach meine optimallaufzeit um fünf minuten, liess mich nicht desmotivieren und rannte einfach drauf los.
doch ja häi! es war verdammt hart. kaum hat man einen hügel erfolgreich hinter sich gebracht, blieb einem fast keine zeit um sich zu regenieren, denn schon stellte sich der nächste kleine berg in den weg.
trotz den hindernissen kam ich in einer zufriedenstellenden zeit im ziel an und - was ich auf das training zurückführe - in einem erstaunlich fittem zustand. das nächste mal geb ich also mehr gas ;-)

15 May 2011

wenn die erde bebt

examen verfertigen, examen schreiben lassen, examen korrigieren und, der hässlichste teil, examen aushändigen. nichts hasse ich mehr, als die enttäuschung eines kindes, oder sogar dessen tränen zu sehen, wenn sie ihr examen vorsichtig umdrehen, damit die note ersichtlich wird. kommentare wie "meine eltern werden mir den hals umdrehen" sind nicht selten und da frag ich mich immer, wie denn dies bei mir zu schulzeiten war. ich kann mich weder an druck noch an sonst irgendwelche drohende worte meiner eltern erinnern. hier scheinen die eltern jedoch mit stock und besen hinter ihren kinder her zu sein und nach jedem examen melden sich wieder irgendwelche besorgte eltern, die denken, dass ihr kind in meiner klasse überfordert sei. aber eben, diese woche wurde soeben, auch wenn mit etlichen überstunden, über die runde gebracht. zu allem hin durfte ich am montag noch an eine deutschsitzung und am dienstag zum zahnarzt. so war die woche schnell und schmerzlos vorbei.

am freitag dann ein wortwörtlich erschütterndes erlebnis: vier uhr und wir befinden uns in der küche im haus von elmers eltern. plötzlich spüre ich ein merkwürdiges zittern der erde unter meinen füssen, doch beruhige ich mich mit dem gedanken, dass es bestimmt nur ein vorbeifahrender lastwagen ist. doch als das geräusch eines autos aus bleibt und das zittern immer intensiver wird, wird mir bewusst, dass dies von keinem ach so grossen gefährt ausgelöst werden könnte. als sich dann noch die wände zu bewegen beginnen, ist der zweifel an einem erdbeben weggefegt. wie gelernt, stelle ich mich unter einen türrahmen, da wir durch die vergitterung aller auswege schlicht und einfach keine andere auswahl hatten und warte, bis der graus vorbei ist.
es schien unendlich lang. glücklicherweise sind landesweit keine personenschäden, sondern nur kleinere sachschäden zu beklagen. und trotzdem, so was möchte ich nicht nochmals erleben. das epizentrum war nicht unweit, 25 kilometer von san josé entfernt. die stärke lag bei 6.0.

das restliche wochenende ging dann zum glück ruhiger zu und her. nachdem wir am freitagabend den geburtstag von elmers schwester feierten, mussten wir am samstagmorgen schon wieder an der schule präsent sein, da das wasserfest gefeiert wurde. hunderte von kinder und erwachsene, die im schwimmbad um die wette schwammen oder in sonst irgendwelchen spielen gegeneinander antraten. ich besuchte den anlass für ein paar stunden, liess mich vom chef sehen und ging dann in mein verdientes wochenende.
und so geht wieder einmal mehr ein wochenende viel zu schnell vorbei. aber das schöne ist: noch sieben wochen ;-)

08 May 2011

achterbahn der gefühle

hallo, tschüss, bis bald, machts gut, war schön und bis morgen! wörter, die ich in den vergangenen wochen unzählig gehört und gesagt habe. doch am freitag war's dann definitiv, das tschüss kam über unsere lippen, das sich nicht so schnell wieder in ein hallo verwandeln wird. doch der countdown läuft bereits schon jetzt: in neun wochen spüre ich endlich wieder einmal schweizer boden unter mir. :-)

meine eltern kamen am mittwoch wieder aus tortuguero, der hintersten ecke costa ricas, nach san jose zurück. zerstochen und müde erreichten sie nach einer siebenstündigen odysee mit schiff und auto mein zu hause. am donnerstag nahm ich sie gleich mit in die schule, damit sie endlich mal sehen konnten, wo ich meine bisherigen monate verbracht und geackert habe. mir wurde wieder einmal bewusst, was wir an der humboldt für einen luxus haben, verglichen mit den öffentlichen schulen costa ricas. doch gleichzeitig wurde mir wieder vor die augen geführt, auf was wir hier im verhältnis zur schweiz alles verzichten müssen...
weiter nach der schule gings gleich ins multiplaza, einem einkaufszentrum in der nähe von uns. tritt man dort ein, vergisst man schnell, dass man in costa rica ist. bis auf die spanischsprechenden menschen lässt nichts auf das mittelamerikanische land verraten. so konnten sich meine eltern gleich anklimatisieren, bevor ihre reise am freitag wieder in den osten ging.

die erste woche schule ging schnell vorbei und ein highlight erlebten wir bereits am mittwoch, als der bundespräsident wulff höchst persönlich samt frau die humboldt besuchte. da unser neubau, ein überdachter basketballplatz, mit zwei monatigen verspätung in den ferien endlich fertig gestellt wurde, fand eine einweihung statt, in der eben dieser herr wulff plus anhang anwesend war. die kleinen schüler sangen aus vollem leibe "marmor, stein und eisen bricht" und wir lehrer erhielten sogar noch die ehre, die hände von herrn wulff zu schütteln. äusserst sympathisch, besonders der kommentar seiner frau, als sie durch unsere bräune feststellen musste, dass sie im "falschen" land arbeite... :-)

das wochenende verbrachte ich damit, mich wieder zu finden, um nicht noch länger fünf meter neben mir zu stehen. mit viel sonnenschein, sport und schlafen schien dies auch gut geklappt zu haben. meine blickrichtung ist wieder in der zukunft und mein herzchen schlägt schon nervös, wenn ich daran denke, dass ich in neun wochen wieder, auch wenn nur für kurze zeit, in meiner heimat sein werde.

03 May 2011

blau ist nicht gleich blau

nach den wunderschönen tagen im río celeste ging es wieder ins stadtleben von san josé zurück. doch lange blieben meine eltern und ich nicht in diesem eher farblosen ort, nur so lange, um sich von der sechsstündigen fahrt zu erholen. tags darauf schlugen wir, dieses mal ohne elmer, den weg in die karibik ein. schnell stellten wir fest, dass wir ohne elmer ein bisschen auf unsicheren beinen stehen und ich von ihm noch viel über costa rica lernen muss.

natürlich verfuhren wir uns auch an diesem ort, namens punta uva, obwohl dieses eigentlich peinlich klein ist. erst nach dem dritten mal nachfragen konnten wir unser hotel, versteckt im dschungel, finden. umgeben von grün und dunkelheit war es uns anfangs nicht so wohl. krebse, affen und sonstige viecher zirpten und brüllten uns schliesslich in der nacht mehr oder weniger sanft in den schlaf.
am nächsten morgen erwartete uns nicht wie erhofft der blaue himmel mit sonnenschein, sondern eine
eher graue brühe mit regen. doch liessen wir uns nicht entmutigen und gingen frohen mutens ins etwas bewohntere nachbarsdorf puerto viejo, wo wir durch die gassen bummelten und frühstückten. petrus erfreute dies wohl, verscheuchte die wolken und liess die sonne am blauen himmel brillieren. wir hüpften, zurück in unserem hotel, gleich in unsere badekleider und genossen den ganzen nachmittag in der hitze.

am freitag ging unsere reise weiter in den norden, nach cahuita. dort trafen wir auch den elmer wieder und verbrachten noch die restlichen tage unserer ferien an der brütenden sonne, dem badewasserwarmen meer, dem fast schneeweissen strand und unter dem leuchtend blauen himmel. was möchte man da noch mehr? (mehr wochen ferien, wäre wohl meine antwort ;-))
sonntagmittag hat die stunde für elmer und mich jedoch geschlagen: zurück in die zivilisation, zurück in den alltag. meine eltern fuhren weiter nach tortuguero, währenddem wir am montagmorgen pünktlich um halb acht schön lächelnd vor unseren schüler in der schule standen.