28 November 2010

dem gefunkel ausgeliefert

die luft ist draussen. weder kinder noch wir haben die nötige energie, um frühmorgens aufzustehen und was zu lernen, bzw. zu lehren. irgendwie schaffen wir's dann doch immer, angetrieben von dem gedanken, dass ein hinter uns gebrachter tag uns näher an die ferien bringt. und genau so fliegen die tage an uns vorbei, unspektakulär und mit allerhand zu tun: noten machen, noten eintragen, weihnachtsdekoration vorbereiten, weihnachtsaktivitäten organisieren, an die verabschiedung einzelner schüler denken... die liste ist lang, doch kann ich von tag zu tag haken setzen. überall spricht man von weihnachten, die läden platzen mit ihren dekorationen fast aus den nähten, die leute werden nervös und rennen verzweifelt hinter den geschenken her. nur ich komme irgendwie nicht so richtig in die weihnachtsstimmung. kein wunder! bei dreissig grad, sonnenschein und stechend blauem himmel kommt einem auch erstmals den strand und das meer in den sinn als weihnachten mit schnee und besinnlichkeit.
nur durch die mir gesandten bildern aus der verschneiten schweiz mit meinem mami in der küche, liebevoll die mailänderli zubereitend, lassen mich vermuten, dass weihnachten schon bald vor der tür steht. mein herzchen sticht kurz auf, wünschend, mich schnell in die schweiz beamen lassen zu können, um den feinen geruch einzuatmen, um backen zu helfen, um die kälte von draussen zu fühlen und um sich danach vor dem cheminee aufwärmen zu lassen...

zurück nach costa rica: die woche verging ohne grosse ereignisse, nur am freitag wurden uns zwei stunden geschenkt, da die kinder flohmarkt hatten.
gleich nach der schule ging es wieder einmal in meine lieblingsstadt, heredia. da elmers auto nach wie vor bei den mechanikern verweilt, um wieder aufgepäppelt zu werden, sind wir momentan nicht so flexibel wie bisher. so verbrachte ich den samstag schoppend und staunend über all die glitzernden dinge für weihnachten...
auch der sonntag ging genauso gemütlich weiter, wir schliefen wieder einmal so lange, wie es unsere körper, seele und geist brauchten - bis ein uhr nachmittags :-) der energiestand konnte ich also für die nächste woche füllen. tatenfreudig pflanzte ich endlich diverse pflanzen um und neu ein, improvisierte einen adventskranz und kam beim anzünden des ersten kerzchens zum ersten mal ein bisschen in weihnachtsstimmung.

21 November 2010

erfolglose abkühlung

gesagt - getan. mittwoch war der grosse tag, an dem die kinder ihre kleinen fingerchen im dreck schmutzig machen mussten. es war echt herrlich zu beobachten, wie einzelne kinder mit nur drei fingerchen vorsichtig die erde in ihr töpfchen füllten, von weitem erkennbar, dass eine solche erfahrung zu den ersten überhaupt zählte. andere, vertrauter mit dieser arbeit, holten die erde mit grossem selbstvertrauen aus der tüte. schlussendlich hatten alle ihre drei sämchen in der erde und nun wird gewartet und gepflegt, bis schöne blumen wachsen. mal schauen, wie viele es schaffen, doch nur schon der fakt, dass am freitag alle ihr töpfchen mit nach hause nahmen, ohne dass ich sie daran erinnerte zeigte, dass sie schnallten, um was es mir geht.

freitag um zwölf blieb der allgemeine "juhuuui-wochenende"-schrei aus, denn es war ein pädagogischer tag angesagt. was normalerweise auch einen tag dauern würde, wurde aufgrund von fehlenden sprechanlässen auf einen halben tag reduziert. natürlich auf einen nachmittag, sonst würde ja noch die schule ausfallen... aber was soll's. hochmotiviert (klar an einem freitagnachmittag, an dem alle nichts lieber machen, als länger als sonst in der schule zu sitzen) sassen wir die extra stunden ab und fragten uns am schluss, was das ganze eigentlich sollte.

doch irgendwann wurden wir nach hause entlassen. elmer und ich zogen gleich richtung heredia los. die première von harry potter wartete auf uns. beeindruckende szenen, jedoch von "kinderfilm" nichts mehr zu erkennen. im gegenteil, szenen, in denen ich fast in die hose machte und zuckungen von unvorhergesehenen situationen kriegte.
gleich darauf, am samstag morgen, packten wir unser währli und zogen richtung norden, dem arenal. ziel war ein hotel in la fortuna, welches nicht nur ein hotel, sondern ein ganzes resort mit heissen thermalen war. herrlich, während wir im heissen wasser unsere finger aufweichen liessen, beobachteten wir die wolken um den arenal, geduldig, bis sich der vulkan in ganzer schönheit zu erkennen gab.
am sonntag dann das erwachen bei regen, was den effekt des heissen wassers noch mehr verschönerte.

weniger glück hatten wir dann auf der reise nach hause. kurz vor dem flughafen hörten wir ein merkwürdiges geräusch, das eine lautstärke eines alamierenden geräusches annahm. mit einem blick auf den temperaturindikator, wussten wir, was sache war: das wasser im motor ist weg. trotz wartens und auffüllens des wassers, wobei das auto erstmals protestierte und es mit vielem getose und dampf wieder ausspuckte, wollte und wollte das auto nicht mehr anspringen. der abschleppwagen musste kommen und uns nach hause fugen. hässliches ende für ein anfangs so entspannendes wochenende...

trotzdem wurde genügend energie gesammelt, um die nächste, drittletzte (!) woche in den angriff zu nehmen.

14 November 2010

verlorene werte

wieder sitze ich in einem schnellzug, die landschaft zieht an mir vorbei und ich, in meinem halbschlaf versunken, krieg nur die hälfte mit. bis der zug plötzlich ruckartig anhält...

... und mir bewusst wird, wie hässlich die landschaft gerade ausschaut:
unsere wunderschönen fische im klassenzimmer waren seit wochen nicht mehr zu sehen, da das wasser im aquarium eine urin-ähnliche farbe angenommen hatte. jedes mal, wenn ich die kinder sah, erinnerte ich sie daran, dass sie putzen mussten, doch niemand scheint interesse zu haben, den lebensraum der kleinen tierchen ein bisschen schöner zu gestalten. so gab ich ihnen schliesslich am mittwoch während der klassenstunde zeit, da ich wusste, dass sie es sonst womöglich bis zu den ferien herausschieben und die armen fiecher dabei noch drauf gehen würden. so putzten sie schön, bis ein kind auf die glorreiche idee kam, die fische nun direkt in das neue, eiskalte wasser plumsen zu lassen. so konnten die schüler dann bei den drauf folgenden stunde zusehen, wie die kleinen, einer nach dem andern, vor sich hin starb.
dessen nicht genug, die kinder liessen die tiere über einen tag tot im aquarium, fischten sie nicht heraus, war ihnen egal. wieder musste ich sie zusammenscheissen, bis einige von ihnen es schafften, die tiere aus dem wasser zu entfernen, um ein gebürtiges begräbnis zu vollziehen. doch kaum drehe ich ihnen den rücken zu, schmeissen sie die toten dinger um sich. ist ja nur ein fisch.
ich konnte nicht mehr vor wut. es ist einfach nur tragisch, dass kinder in diesem alter nicht den geringsten bezug zu lebewesen haben. echt traurig. doch dies lass ich natürlich nicht auf mir sitzen! so nicht in meiner klasse! deshalb rufe ich nun ein neues projekt ins schulleben: die kinder müssen sich bis zu den ferien um eine kleine blume kümmern. sie setzen die samen, müssen wasser geben und sind dazu zuständig, dass ihr kleiner sprössling überlebt, sodass wir diesen vor den ferien in den garten der schule pflanzen können. so hoffe ich, dass sie mir doch noch demonstrieren können, dass sie verantwortungsbewusst sind! und wenn nicht, so muss ich mir wenigstens keinen vorwuft machen, probiert hab ich's.

am wochenende wurde ich am samstag auf einen té de despedida einer freundin von elmer eingeladen. ein traditioneller anlass zu ehren von victoria, die sich im kommenden januar vermählt. ich ging mit der illusion an diesen anlass, dass dies eine art polterabend für frauen ist. als ich von meiner kollegin abgeholt wurde, wurden meine füsse jedoch schnell wieder auf den boden der tatsachen gestellt. laut ihr sind diese anlässe die hölle und nimmt nur daran teil, damit sich die zukünftige braut nicht alleine mit ihrer verwandtschaft zu langweilen braucht. und so war es dann auch: das durchschnittsalter lag bestimmt um die sechzig. als ich auf den tischen champaner-gläser sah, war ich ein bisschen erleichtert: immerhin können wir's so ein bisschen auflockern. aber auch diese illusion wurde schnell zerschlagen, als diese mit fruchtsaft gefüllt wurden. schlimmer wurde es schliesslich noch, als plötzlich ein animateur vor uns stand und uns fast dazu zwang, an peinlichen spielen teilzunehmen. und mich traf es echt am schlimmsten! immerhin gab es für die anstrengung ein nützliches geschenk, was die schande wieder vergessen liess.
danach gab's, wie der name es schon sagte, tee, kaffee und sonstige happen zum essen. um sieben war die tortur vorbei und unser tisch konnte sogar noch ein geschenk mit nach hause nehmen, da wir der "lauteste und motivierteste tisch" waren. hatten wir also doch was von dem ganzen anlass ;-)
gleich ging's weiter in die bar, wo wir unsere männliche freunde trafen, mal das heirats-geblable beiseite legen und endlich alkohol trinken konnten. so ist's mir doch wohler!

und nun... noch vier wochen. auf geht's, das licht am ende des tunnels ist ersichtlich!

07 November 2010

gnadenlos

auch die natur hat ihre stimmungsschwankungen und launen und lässt ihnen freien lauf. nur, dass ihre launen verheerende folgen mit sich tragen können, wie vergangene woche bei uns in costa rica der fall war:
am dienstag begann ein seichter regen, wurde intensiver und ging so weit, dass es bis freitag wie aus eimern kübelte. selbst morgens wu
rden wir nicht wie üblich von der sonne aus dem bett geweckt. die wolken hingen tief und der nebel verdeckte die ganze stadt unter ihrer grauen schicht.
am donnerstag in der schule wurde bekannt gegeben, dass im land der n
otstand ausgesprochen wurde. alle schulen waren zu und die strassen schienen so verlassen wie noch nie. unweit von uns entfernt, in einem vorort san josé's, rutschte die hälfte eines berges auf das darunterliegende dorf runter, welches in dreck und schlamm eingedeckt wurde. mehrere tote wurden gefunden, andere werden immer noch vermisst. der regen jedoch war ohne gnade, es schiffte weiter vom himmel runter, flüsse traten über die ufer, brücken hielten dem wasser nicht stand und brachen ein, strassen wurden mit fallenden bäumen und erdklumpen bedeckt und schlammlawinen suchten rücksichtslos ihre wege durch die dörfer.
alles war zu. alles, ausser die humboldt. die humboldt muss schule haben. die humboldt darf keinen tag versäumen, auch wenn das ganze land unter schock steht, den notstand ausspricht und um die verstorbenen trauert. ich schämte mich für die humboldt. sie dachten wohl, dass es genüge, wenn sie die flagge auf halben mast hängen und wir mit den kleinen eine schweigeminute einlegen.

und heute, a
m sonntag, strahlte und lächelte uns die sonne entgegen, so als ob nichts geschehen wäre. unglaublich, wie wir dieser macht ausgeliefert sind.

am wochenende stand eine einweihungsparty eines neuen kollegen auf dem pla
n. ich würde lügen, wenn ich schreiben würde, dass wir uns super amüsiert haben. ich bin es satt, nur immer über die schule zu reden, sich als eine person zu geben, die man nicht ist und lieb zu lächeln, wenn sie mich fragen, wie's mir geht. als ich dann noch eltern und sogar kinder (!) von meiner klasse antraf wusste ich, dass diese party eine der letzten war, an der ich hin ging...

vor lauter sorge konnten wir den sonntag nach der party leider nicht für's ausschlafen ausnützen, da ich mir den kopf zerbrach, wo sich mein portemonnee (oder portemonnaie? oder vielleicht portmone?) aufhalten könnte. seit samstagnachmittag schien sich dieses in luft aufgelöst zu haben. mein zimmer, das ganze haus stellte ich auf den kopf und konnte nichts finden. schon gab ich die hoffnung auf und fragte mich, wo ich hingehen müsste, um eine neue id zu kriegen und wo ich die karte zu stornieren hätte. nahe der verzweiflung schaute elmer und ich doch nochmals in seinem auto nach und kaum öffnete ich die autotür liess ich einen von erleichterung erfüllter schrei los. da lag es, unschuldig zwischen sitz und tür auf mich wartend :-)

auch wenn mein umfeld momentan grau und kalt zu sein scheint - ich fühle mich wie ein glühendes aufsteh-männchen, das die füsse nicht still halten kann. motivert fokusiere ich das nahende ende des schuljahres und renne weiter auf mein ziel zu. ich geniesse kleine dinge, wie die vielen stunden, die ich letzte wochen mit malen verbracht habe, wo man ebenfalls merkt, dass ich in mir drin wieder eine balance herstellen konnte und dass meine augen und seele nach farben, sonne und entspannen schreien. bald ist's so weit!