15 May 2011

wenn die erde bebt

examen verfertigen, examen schreiben lassen, examen korrigieren und, der hässlichste teil, examen aushändigen. nichts hasse ich mehr, als die enttäuschung eines kindes, oder sogar dessen tränen zu sehen, wenn sie ihr examen vorsichtig umdrehen, damit die note ersichtlich wird. kommentare wie "meine eltern werden mir den hals umdrehen" sind nicht selten und da frag ich mich immer, wie denn dies bei mir zu schulzeiten war. ich kann mich weder an druck noch an sonst irgendwelche drohende worte meiner eltern erinnern. hier scheinen die eltern jedoch mit stock und besen hinter ihren kinder her zu sein und nach jedem examen melden sich wieder irgendwelche besorgte eltern, die denken, dass ihr kind in meiner klasse überfordert sei. aber eben, diese woche wurde soeben, auch wenn mit etlichen überstunden, über die runde gebracht. zu allem hin durfte ich am montag noch an eine deutschsitzung und am dienstag zum zahnarzt. so war die woche schnell und schmerzlos vorbei.

am freitag dann ein wortwörtlich erschütterndes erlebnis: vier uhr und wir befinden uns in der küche im haus von elmers eltern. plötzlich spüre ich ein merkwürdiges zittern der erde unter meinen füssen, doch beruhige ich mich mit dem gedanken, dass es bestimmt nur ein vorbeifahrender lastwagen ist. doch als das geräusch eines autos aus bleibt und das zittern immer intensiver wird, wird mir bewusst, dass dies von keinem ach so grossen gefährt ausgelöst werden könnte. als sich dann noch die wände zu bewegen beginnen, ist der zweifel an einem erdbeben weggefegt. wie gelernt, stelle ich mich unter einen türrahmen, da wir durch die vergitterung aller auswege schlicht und einfach keine andere auswahl hatten und warte, bis der graus vorbei ist.
es schien unendlich lang. glücklicherweise sind landesweit keine personenschäden, sondern nur kleinere sachschäden zu beklagen. und trotzdem, so was möchte ich nicht nochmals erleben. das epizentrum war nicht unweit, 25 kilometer von san josé entfernt. die stärke lag bei 6.0.

das restliche wochenende ging dann zum glück ruhiger zu und her. nachdem wir am freitagabend den geburtstag von elmers schwester feierten, mussten wir am samstagmorgen schon wieder an der schule präsent sein, da das wasserfest gefeiert wurde. hunderte von kinder und erwachsene, die im schwimmbad um die wette schwammen oder in sonst irgendwelchen spielen gegeneinander antraten. ich besuchte den anlass für ein paar stunden, liess mich vom chef sehen und ging dann in mein verdientes wochenende.
und so geht wieder einmal mehr ein wochenende viel zu schnell vorbei. aber das schöne ist: noch sieben wochen ;-)

08 May 2011

achterbahn der gefühle

hallo, tschüss, bis bald, machts gut, war schön und bis morgen! wörter, die ich in den vergangenen wochen unzählig gehört und gesagt habe. doch am freitag war's dann definitiv, das tschüss kam über unsere lippen, das sich nicht so schnell wieder in ein hallo verwandeln wird. doch der countdown läuft bereits schon jetzt: in neun wochen spüre ich endlich wieder einmal schweizer boden unter mir. :-)

meine eltern kamen am mittwoch wieder aus tortuguero, der hintersten ecke costa ricas, nach san jose zurück. zerstochen und müde erreichten sie nach einer siebenstündigen odysee mit schiff und auto mein zu hause. am donnerstag nahm ich sie gleich mit in die schule, damit sie endlich mal sehen konnten, wo ich meine bisherigen monate verbracht und geackert habe. mir wurde wieder einmal bewusst, was wir an der humboldt für einen luxus haben, verglichen mit den öffentlichen schulen costa ricas. doch gleichzeitig wurde mir wieder vor die augen geführt, auf was wir hier im verhältnis zur schweiz alles verzichten müssen...
weiter nach der schule gings gleich ins multiplaza, einem einkaufszentrum in der nähe von uns. tritt man dort ein, vergisst man schnell, dass man in costa rica ist. bis auf die spanischsprechenden menschen lässt nichts auf das mittelamerikanische land verraten. so konnten sich meine eltern gleich anklimatisieren, bevor ihre reise am freitag wieder in den osten ging.

die erste woche schule ging schnell vorbei und ein highlight erlebten wir bereits am mittwoch, als der bundespräsident wulff höchst persönlich samt frau die humboldt besuchte. da unser neubau, ein überdachter basketballplatz, mit zwei monatigen verspätung in den ferien endlich fertig gestellt wurde, fand eine einweihung statt, in der eben dieser herr wulff plus anhang anwesend war. die kleinen schüler sangen aus vollem leibe "marmor, stein und eisen bricht" und wir lehrer erhielten sogar noch die ehre, die hände von herrn wulff zu schütteln. äusserst sympathisch, besonders der kommentar seiner frau, als sie durch unsere bräune feststellen musste, dass sie im "falschen" land arbeite... :-)

das wochenende verbrachte ich damit, mich wieder zu finden, um nicht noch länger fünf meter neben mir zu stehen. mit viel sonnenschein, sport und schlafen schien dies auch gut geklappt zu haben. meine blickrichtung ist wieder in der zukunft und mein herzchen schlägt schon nervös, wenn ich daran denke, dass ich in neun wochen wieder, auch wenn nur für kurze zeit, in meiner heimat sein werde.

03 May 2011

blau ist nicht gleich blau

nach den wunderschönen tagen im río celeste ging es wieder ins stadtleben von san josé zurück. doch lange blieben meine eltern und ich nicht in diesem eher farblosen ort, nur so lange, um sich von der sechsstündigen fahrt zu erholen. tags darauf schlugen wir, dieses mal ohne elmer, den weg in die karibik ein. schnell stellten wir fest, dass wir ohne elmer ein bisschen auf unsicheren beinen stehen und ich von ihm noch viel über costa rica lernen muss.

natürlich verfuhren wir uns auch an diesem ort, namens punta uva, obwohl dieses eigentlich peinlich klein ist. erst nach dem dritten mal nachfragen konnten wir unser hotel, versteckt im dschungel, finden. umgeben von grün und dunkelheit war es uns anfangs nicht so wohl. krebse, affen und sonstige viecher zirpten und brüllten uns schliesslich in der nacht mehr oder weniger sanft in den schlaf.
am nächsten morgen erwartete uns nicht wie erhofft der blaue himmel mit sonnenschein, sondern eine
eher graue brühe mit regen. doch liessen wir uns nicht entmutigen und gingen frohen mutens ins etwas bewohntere nachbarsdorf puerto viejo, wo wir durch die gassen bummelten und frühstückten. petrus erfreute dies wohl, verscheuchte die wolken und liess die sonne am blauen himmel brillieren. wir hüpften, zurück in unserem hotel, gleich in unsere badekleider und genossen den ganzen nachmittag in der hitze.

am freitag ging unsere reise weiter in den norden, nach cahuita. dort trafen wir auch den elmer wieder und verbrachten noch die restlichen tage unserer ferien an der brütenden sonne, dem badewasserwarmen meer, dem fast schneeweissen strand und unter dem leuchtend blauen himmel. was möchte man da noch mehr? (mehr wochen ferien, wäre wohl meine antwort ;-))
sonntagmittag hat die stunde für elmer und mich jedoch geschlagen: zurück in die zivilisation, zurück in den alltag. meine eltern fuhren weiter nach tortuguero, währenddem wir am montagmorgen pünktlich um halb acht schön lächelnd vor unseren schüler in der schule standen.

26 April 2011

blauer als blau

vor gut eineinhalb jahren fuhren elmer und ich in den norden zu dem bekannten río celeste, das übersetzt "himmelblauer fluss" bedeutet. von blau war damals jedoch nichts zu sehen, der fluss war mehr eine braune brühe und das wasser war nicht nur im fluss, sondern kam auch in strömen vom himmel runter. wir hatten damals echt pech. doch nun hatten wir die gelegenheit, zeugen eines naturwunders zu werden.

meine eltern, elmer und ich machten uns auf den weg in den norden. durch besichtigung von diversen sehenswürdigkeiten auf der strecke, ziemlich schittrigen strassen und mehrmaligem verfahren, kamen wir ziemlich gerädert nach sechs stun
den fahrt an und brauchten erst einmal schlaf. am tag darauf ging es ausgeruht auf die wandertour zum fluss. ich konnte meinen augen echt nicht trauen, als ich das himmelblaue wasser vor mir fliessen sah. dieses spektakel ist unglaublich und glaubt man nur, wenn man's vor seinen augen hat.
niemand weiss genau, warum es dort zu diesem naturwunder kommt. es gibt jedoch diverse theorien. darunter die eine, dass genau an diesem ort eine chemische reaktion stattfindet, verursacht durch das zusammenstossen von zwei flüssen (wobei der eine ein gut dreissig grad heisser vulkanfluss ist) und anderen mineralien, die vom boden ausgestossen werden. eine andere theorie besagt, dass das ganze nur eine optische täuschung durch irgendwelches einwirken von
vorhandenen materialien sei. eine nicht wissenschaftliche theorie erklärt sich das ganze schlicht und einfach damit, dass gott zur bemalung des himmels zu viel blaue farbe übrig hatte und somit den pinsel genau in diesen fluss tunkte. und deshalb ist dieser bis heute blau :-)
der fluss alleine ist jedoch nicht alles, was man an diesem ort besichtigen kann. auch heisse quellen sind vorzufinden, in denen wir uns stundenlang hätten aufhalten können. die kombination mit dem kalten wasser des flusses war eine richtige therapie. nach dieser entspannung liefen wir zu guter letzt noch zum vorhandenen wasserfall, wo das herunterströmende wasser ebenfalls in einem himmelblauen wasserbecken endet.
egal wie dieses blau zu stande kommt. es ist echt eindrücklich und die sechs stunden fahrt nach oben lohnen sich auf alle fälle dafür.

21 April 2011

mit sack und pack

wir sind mitten in den ferien. und auch wenn ich täglich von der schulglocke erwache, konnte ich diese institution mit erfolg aus meinen gedanken verdrängen.
lange ist es zwar noch nicht her, doch scheint die letzte schulwoche schon wochen hinter uns zu liegen. da sich der montag vor den ferien noch zum wochenende gesellte, schienen die letzten stunden in der woche in minuten zu zerrinnen. gut so, denn meine ungeduld und das warten auf mein wiedersehen mit den eltern kratzten langsam aber sicher an meinen nerven. so war ich echt froh, als wir am freitag den ersehnten mittag erreichten und wussten, dass uns der osterhase endlich in die ferien entlässt. doch die ersten zwei tage spürte ich ehrlich gesagt nix von den ferien, denn die stunden für nach den ferien mussten vorbereitet werden. so verbracht ich mehrere stunden hinter büchern und computer. zum glück wurde dies auch mit erfolg erledigt, sodass ich mich nun mit gutem gewissen nach hinten lehnen und die ferien maximal geniessen kann.

am mittwoch gleich die ersten wahren ferienstunden. obwohl, der morgen verlief mehr im stress und im chaos als in erwarteter ruhe: elmers familie plante einen mehrtägigen auslug in die berge heredias. seine eltern mieteten eine kleine hütte in der höhe, um der hitze zu entkommen. jeder und alles wurde eingepackt, von den fünf hunden bis hin zu ihrem kanarienvogel. ich beobachtete das ganze spektakel und half mit, wo ich nur konnte. trotz allem dauerte es mehrere stunden, bis dann wirklich alles und alle eingepackt waren. einer über den anderen gestapelt konnten wir endlich in die höhe fahren.
doch meinen nerven war auch dann noch keine ruhe gegönnt. während dem abendessen bemerkte ich plötzlich, dass irgendetwas neben mir krabbelte. als ich den blick auf den boden warf, stellte ich fest, dass dieses etwas ein skorpion war. da liess ich schnell nen schrei ab, so dass mich alle mit einem blick "wo hat die denn die schraube locker?" anschauten bevor sie dann meiner blickrichtung folgten und auch im nullkommanichts auf den füssen standen. elmer reagierte schnell und
zerquetschte es mit seinen schuhen. die nacht auf dem boden verbrachte ich dann mit gewissem misstrauen... und als ich endlich mein gewissen beruhigen konnte und eindöste, schreite sich bereits der erste hahn heiser. tja, so viel zur nacht. glücklicherweise konnte ich dann tagsüber den verpassten schlaf nachholen.

und nun geht es noch genau 24 stunden, bis mir die american airlines meine eltern nach costa rica liefert. nach fünfzehn (!) monaten nicht-sehens freue ich mich wie ein kind, wie ihr kind halt ;-)

11 April 2011

endspurt

die letzte komplette woche vor ferien: check! das ziel ist in sicht, die endstrecke kürzer denn je und die vorfreude nicht zu bremsen.
wied
er ist nichts spezielles hervorzuheben, die tage vergingen ohne irgendwelchen grossen ereignissen. die kinder sind müde, wollen und können nicht mehr, auch die nerven von uns lehrern hangen an einem eher schwachen faden und laufen gefahr, zu reissen. um dies zu verhindern wende ich diverse strategien an, damit ich nicht auf die palme steige, sobald wieder einmal eine eher dumme frage der kinder kommt. so schlägt man sich also von tag zu tag durch (nicht wörtlich nehmen! ;-)) und freut sich mit jeder stunde, näher am wochenende zu sein.
das wochenende war dann jedoch ein spezielles wochenende, denn der montag war inklusive. sprich drei tage ohne nichts. das war auch mein plan: nichts machen. doch aus der passivität wurde höchste aktivität. am samstag ging ich endlich stoff kaufen und begann, unsere lounge zu hause noch
gemütlicher zu gestalten. das ergebnis lässt sich auf alle fälle sehen!
der sonntag wurde ausgenutzt, um unser garten wieder einmal auf vordermann zu bringen. auch hier ist das ergebnis zufriedenstellend, nur unser körperlicher zuständ lässt zu wünschen übrig: die hände und füsse zerstochen und von muskeln geplagt, von denen ich nicht wusste, dass sie exisierten.
dann wurde der montag mit ausschlafen verbracht und mit allem sonst nicht erledigtem. und nun nehmen wir die vier letzten tage (!) in angriff.

03 April 2011

anstrengen verboten

eine von muskelkater gekenntzeichnete woche gesellte sich einmal mehr in affentempo der vergangenheit zu. viel zu erzählen gibt es nicht, die schüler dümpeln vor sich hin und auch wir lehrer schleppen uns täglich zur schule und zählen die stunden, um wieder den nach hause weg antreten zu können.
highlight dieser woche: eine nähmaschine. meine mitbewohnerin hat mir als ein bisschen verspätetes geburtstagsgeschenk tatsächlich eine nähmaschine geschenkt. hammer, jetzt kann ich meiner kreativität freien lauf lassen. mal schauen, was sich mit diesem ding zaubern lässt. leider hatte ich bisher keine zeit, um die maschine zu testen.

da elmer die ganze woche inklusive dem wochenende an einem sportereignis in el salvador verbrachte, nahmen mich gleich die mädels von der schule unter die fittiche und so gings am freitag gleich nach der schule richtung westen den wellen entgegen. entspannung und nichtstun war unser strickte plan, den wir in playa esterillos este in den angriff nahmen. der plan wurde auch sehr strickte durchgehalten, so haben wir echt nichts anderes gemacht als geschlafen, gelesen und abends gemütlich rum getrunken. die einzige ausnahme war der sonntagmorgen, wo ich in der früh beschloss, mir die beine zu vertreten und am strand entlang joggte. keine menschenseele war zu sehen, nur ich, das meer, die sonne und die wärme. später gesellten sich dann noch die blasen meinen füssen dazu, was weniger erwünscht war.
doch so entspannend war ein wochenende schon lange nicht mehr: von freitagnachmittag bis am sonntagnachmittag nützten wir die sonnenstrahlen aus. bis auch dieser traum zu ende ging und wir wieder zurück zur zivilisation gehen mussten. doch dieses mal nicht mit der gleichen frustration wie bisher: noch neun tage bis zu den ferien :-)