25 December 2011

ach ja, weihnachten!

irgendwie war's ein bisschen viel auf einmal: letzte schultage, tschüss-sagen hier, dort und überall, ferien und obendrauf gleich elmers geburtstag und weihnachten. dies alles in einem schwall und innerhalb von weniger als sieben tage. weder körper noch kopf noch seele waren so richtig darauf vorbereitet, sodass mein körper krank, mein kopf müde und meine seele melancholisch wurde. doch mittlerweile habe ich mich aufgerafft und das durcheinander in meinem gehirn geordnet.

bis mittwoch waren wir der schule mit weiterbildungen und nachprüfungen schreiben verpflichtet. eigentlich hätte ich gerne gesehen, wie meine schüler durch die erste prüfung durchfallen, damit sie in den ferien so richtig hätten lernen müssen, doch die mehrheit hat das examen bestanden, was immerhin zeigt, dass sie in den letzten tagen einige stunden mathe üben mussten.
nur eine schülerin ist durchgefallen und dank ihr darf ich im januar nochmals in die schule gehen. doch ich geb es ohne scham zu, ich freu mich darauf. erstens möchte ich wissen, wie's mit der schülerin ausgeht und zweitens habe ich so noch einen anker, an dem ich mich richten kann, bevor auch dieser aus dem boden gerissen wird und ich richtungslos auf dem weiten meer treiben werde...

nach der schlusskonferenz packte elmer und ich gleich unser währli und steuerten richtung termales del bosque, um die ferien so richtig entspannend beginnen zu können. dort haben wir uns verwöhnen lassen und die heissen bäder genossen. allem hinzu war am donnerstag elmers geburtstag, den wir jedoch genauso nichtstuend in den heissen quellen verbrachten, bis wir auf den abend wieder ins stadtleben stürzten und mit der familie essen gingen. meinem magen gefiel dies jedoch überhaupt nicht und beklagte sich noch tage danach bei mir.
zwei tage später befand ich mich gleich wieder im hause von elmers familie, da sie mich für das essen an heiligabend eingeladen hatten. extra für mich wurden fische zubereitet, damit ich nicht das hier als delikatesse geltende schweinefleisch essen musste. diese extrawürste immer... :-)

und jetzt sind weihnachten. stünde dies nicht im kalender, würd ich's gar nicht merken: blauer himmel, pralle sonne und alles andere als eine eisige kälte - so ist der momentane zustand bei uns. hätte ich flügel würde ich trotz sonnenschein und wärme in die schweiz fliegen, die brennenden kerzen am christbaum bestaunen, ein guetzli von meinem mami essen und mit meinen eltern einen kafi trinken. zum glück gehört dieses szenarium (bis auf den baum) schon bald zur realität...

da ich bald richtung strand steuere, um dort das neue jahr einklingeln zu lassen, wünsche ich euch schon jetzt einen guten rutsch ins neue jahr, in dem wir uns lesen und schon bald sehen (!) werden.

18 December 2011

war's das schon?!

erstmals ein herzliches dankeschön an die humboldt: ihr hättet mir den abschied nicht einfacher machen können!
die ersten drei tage der woche wurde ich so mit vertretungsstunden vollgestopft, sodass ich meine letzten nerven fast verl
oren hätte. zum glück war weder direktor noch sonst irgendjemand einflussreiches neben mir gestanden, als ich laut meinen frust raus liess. sonst hätt ich wohl die restlichen tage gar nicht mehr kommen müssen ;-)

bis mittwoch war also noch alltag angesagt, erst am donnerstag konnte man nicht wirklich sagen, dass wir noch schule hatten, da der ausflug statt fand. wir gingen nach tres rios in eine "residencia" (eine eingemauerte und überwachte siedlung), wo die kinder tennis- und fussballspielen, im a...kalten wasser schwimmen oder einfach auf einem spielplatz spielen konnten. die kinder scherten sich wenig um die kälte und den regen, wir lehrer waren eher diejenigen, die sich den rückweg herbeisehnten.

am abend wurden wir von der direktion noch an die jährliche weihnachtsfeier eingeladen. natürlich wurden wir einzeln aufgerufen, mussten nach vorne gehen und unsere verabschiedungsreden schwingen. meine vorhergehende kollegin brachte von lauter schluchzen fast nichts raus, sodass ich mich doppelt zusammennahm und ich mich, auch wenn kämpfend, mit trockenem gesicht nach dem reden setzte.
als dank erhielten wir ein geschenk, dessen gebrauch ich immer noch nicht herausgefunden habe: ein baumstück, das zu einer schüssel verarbeitet wurde und kein aschenbecher sein kann, da es im sockel ein loch besitzt. weder meinen namen, noch der name der schule ist drauf, einfach nichts, sodass ich beschlossen habe, dies beim nächsten lagerfeuer einzusetzen. :-)

auch hier also keine tränen. die wollte ich mir auf den letzten schultag aufbewahren, doch wie sich herausstellte, war auch dies nicht nötig. auch wenn ich nicht hätte anwesend sein müssen, wollte ich doch meine drittklässler ein letzten mal sehen und verbrachte den ganzen morgen mit ihnen und der klassenlehrerin im zimmer. immer wieder kamen kinder und umarmten mich herzlich und sagten mit trauriger stimme, dass sie mich vermissen werden. und da bin ich mir sicher, dass auch ich diese schüler nicht so schnell vergessen werde...

ferien haben wir lehrer trotz verabschiedungen und tschüsssagen noch nicht, denn bis nächsten mittwoch müssen wir noch in eine fortbildung gehen und auf die nachschreiber aufpassen.
das wochenende war dann so entspannend wie schon lange nicht mehr. jedesmal wenn ich an die schule gedacht und überlegt habe, was ich nächste woche mit den kindern machen möchte, kam mir in den sinn, dass das vorbereiten nun endgüldig für die nächsten monate tabu sein wird. ich kann mein glück noch nicht so richtig fassen :-)

am samstag war ich mit elmer noch in heredia und habe der weihnachts-parade zugeschaut. auch wenn ich in einem schal und dickem pullover eingehüllt war, war mir kalt. ich will ja nicht wissen, wie's mir frieren wird, wenn ich wieder in der schweiz bin :-)

11 December 2011

ya casi!

durch den abgang der sechsten klasse wurde mir eine ziemlich lockere woche vergönnt. in theorie hätte ich zwölf lektionen weniger unterrichten müssen. die realität war jedoch eine andere, durch abwesenheit gewisser lehrer durfte ich dann diese vertreten, womit die anzahl der stunden schlussendlich fast gleich wie immer war. zu allem hin kam der donnerstagnachmittag, an dem wir wieder einmal mehr, zum glück nun das letzte mal, die notenkonverenzen hatten und bis spät nachmittags in der schule sitzenbleiben durften.

trotz allem hatte diese woche die musse ihren verdienten platz, sodass wir am dienstagabend bei einer lehrerkollegin den samichlaus feierten. da die deutschen den grittibänz nicht kennen, backte ich ihnen gleich eine ladung, damit sie eine kleine idee von einem unserer kulinarischen höhepunkte im jahr haben :-) und wie schnell die weg gingen! wie frische brötchen, auch wenn einige von den grittibänzen durch meine unaufmerksamkeit schwarze füsse kriegten...

am wochenende durfte ich wieder in die schule antraben, da die sechsten klassen ihre abschlussfeier feierten. mit grossem tamtam wurden ihnen die zeugnisse und titel ausgeteilt, begleitet durch die weisen worten der direktoren und klassenlehrern.
für mich war dieser anlass ziemlich demotivierend. nach drei jahren unterricht an dieser klasse, zwei jahre davon als klassenlehrerin, war der dank ein warmer händedruck und ein knappes "tschüss" der schüler... wenn es so weiter geht, dann wird mir der abgang an dieser schule überhaupt nichts mehr ausmachen.

am sonntag begleitete ich dann elmer noch zu seinem softball-finale, das sie hochaus gewannen und sich nun lokale meister nennen können.
und nun noch sage und schreibe eine woche schule! auf gehts, so motiviert war ich wohl noch nie ;-)

04 December 2011

time to say goodbye

verrückter hätte die woche wohl nicht sein können. zwischen schulischen- und privaten anlässen hin und her gerannt, kam ich kaum zum atmen, weshalb die woche rasant vorbeiraste.

montags hatten die schüler frei und wir lehrer haben uns zu dem sogenannten pädagogischen tag versammelt. die idee dieses tages war, unser teamgeist zu stärken, was sich meiner meinung nach jedoch eher als einen schuss nach hinten herausstellte. kein wunder, meines erachtens sind solche forcierte aktionen meist für die katz. so war zum beispiel der daraufhin folgende anlass, das deutsche essen, eine weitaus natürlichere und effizientere art und weise,
um unsere lehrerschaft näher zueinander zu bringen.
das thema dieses essens, war, nebst all den deutschen spezialitäten, "wetten dass...". erstmals wurde ich angefragt, ob ich die spanische übersetzung übernehmen könnte, was ich natürlich gerne übernahm. hätte ich gewusst, dass diese frage dazu führt, dass ich schlussendlich als michelle hunziker neben "thomas gottschalk" vor den kollegen stehen musste, hätte ich mir die antwort wohl ein bisschen länger überlegt... doch schliesslich entpuppte sich der nachmittag zu einer unterhaltsamen zeit mit leckeren kulinarischen höhepunkten (wie zum beispiel das schweizer raclette mit echtem schweizer öfeli).

die darauf folgenden tage war schule wie üblich angesagt. nur am donnerstag durfte ich aufgrund des notenkonvenz der 6. klassen länger in der schule bleiben, wo ich ernüchternd feststellen musste, dass das examenschreiben für mich doch noch kein ende hat, da bei mir vier schüler in mathe nachschreiben müssen... doch was soll's, der reine fakt, dass die sechstklässler ab nächster woche nicht mehr präsent sein werden und ich zwölf stunden weniger unterrichten muss, stimmt mich fröhlich.
demnach auch schon die vergangene woche das erste "tschüss" für die 6. klässler, die ich nächsten samstag zur graduacion das letzte mal sehen werde.

am freitag dann der tag, wo ich endlich die nummer für meinen 2. halbmarathon abholen konnte. chaotischer hätte es nicht sein können: laut plan wollten sie um 12 uhr mit der austeilung beginnen. bis ein uhr war jedoch tote hose. dann, anstatt alles schön nach den nummern und den distanzen der strecken zu organisieren, wurden alle anwesenden auf einem haufen versammelt, wo die nummern im durcheinander verteilt wurden. zwei stunden später hatte ich dann endlich meine 1481.
am sonntag dann schliesslich der grosse tag. auch hier hat die organisation ihr verbesserungsbedarf, denn der lauf ging erst am nachmittag um eins, bei praller sonne, los. glücklicherweise war die wasserzufuhr echt gut organisiert, sodass ich stets was zu trinken hatte. aber eben, die sonne war trotzdem das problem, plus die topografie der strecke, die mich rund 10 minuten länger laufen liess. trotz allem, ich bin stolz, 1:55 war mein ziel, 1:55 hab ich gebraucht ;-)
und jetzt ist ausspannen und nichtsmachen angesagt!

27 November 2011

was ein brief alles auslösen kann...

schulisch gesehen war die woche eher ernüchternd: meine sechste klasse musste in mathe, wie in allen anderen fächern auch, die schlussprüfung schreiben. schon vor wochen hatte ich mich mit meinen kollegen getroffen und das examen zusammengestellt.
während dem lösen am montagmorgen stellten wir bereits fest, dass wir die schüler überforderten, da manch
e von ihnen auch nach 80 minuten immer noch nicht fertig waren. beim korrigieren dann das definitive zeichen, dass meine schüler überrumpelt wurden: mehr als die hälfte hatte eine ungenügende note. durch aufmotzen der prüfung konnte ich diese nummer von roten noten wenigstens auf fünf minimieren. was das ernüchternde dabei ist, ist der fakt, dass meine parallellehrer ein weitaus besseres resultat erreicht haben. da begann schliesslich mein komplex und der gedanke, dass ich versagt habe breitete sich immer mehr in meinem kopf aus. auch wenn mich meine lieben kollegen versucht haben, aufzupäppeln, weiss ich immer noch nicht so recht, was ich denken soll: habe ich die schüler schlecht vorbereitet oder ist es einfach eine schwache klasse?

egal, das wochenende konnte mir dann wenigstens über diesen komplex hinweghelfen.
dies aufgrund einer hochzeit, auf der ich eingeladen wurde.
doch da gehört eine vorgeschichte dazu:
da ich beschlossen habe, im februar nach mexiko zu gehen, bevor ich definitiv in die schweiz zurückkehre, kam meine oma auf eine super idee. ihr cousin, ernesto, wohnt in mexiko, deshalb liess sie mir die adresse zukommen, damit ich mit ihm in kontak treten konnte. ohne email-adresse musste ich auf das "altmodische" kommunikationsmittel, den brief, zurückgreifen und schrieb meinem grossonkel, oder wie man das auch immer nennen möchte. mit dem gedanken, "mal schauen, was passiert" schickte ich ihn ohne grössere hoffnungen ab. zwei wochen später war eine mail in meinem kasten: eine gewisse adriana, costaricanerin, hat mich angeschrieben, dass sie von meinem brief erfahren hätte. es kam raus, dass adriana die nichte von omas cousin war. und wie's der zufall so wollte, heiratete sie an diesem wochenende und hat mich, weil ich ja schliesslich zur familie gehöre, spontan zu ihrer hochzeit eingeladen, zu der, wie's der zufall nochmals wollte, auch der cousin ernesto aus mexiko kam, um dabei zu sein.

das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! so ging ich am samstag zur zeremonie in der kirche und kam mir vorerst ziemlich dämlich vor, weil ich ja niemand kannte... auch nach der kirchlichen trauung stand ich irgendwie hilflos zwischen all den leuten. plötzlich kam jedoch eine frau auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich "die vom brief" sei. nach meiner zustimmung nahm sie mich gleich unter ihre fittiche, schob mich fast in den bus und nahm mich mit an die feier, die an einem anderen ort stattfand. auf der fahrt kriegte ich schliesslich mit, dass diese frau eine tochter von ernestos bruder ist (könnt ihr noch folgen? für mich war es schon ziemlich schwierig, es zu verstehen...). am fest lernte ich etliche cousinen, tanten, onkeln, weiss ich welchen grades, kennen. schliesslich verbrachte ich den ganzen abend mit ernesto junior (siehe bild), der sohn von brunilde, der überraschenderweise perfekt deutsch sprach. er versuchte mir dann während der ganzen zeit zu erklären, wer jetzt wer ist. es kamen so viele leute auf mich zu und wurden mir präsentiert, dass ich am ende nicht mehr wusste, wo mir der kopf steht. in den nächsten tagen muss ich mich mal hinsetzen und einen familienbaum aufzeichnen... :-)

verblüfft hat mich dann der moment, als jemand von mir wissen wollte, ob ich denn barbara aus der schweiz kenne, auch eine verwandte von meiner oma. ich habe noch nie was von dieser frau gehört (zumindest kann ich mich nicht an sie erinnern) und fühlte mich ein bisschen bekloppt. wie kann es sein, dass mexikaner verwandte der schweiz kennen, die eigentlich so nah von mir wohnten und ich keinen blassen schimmer von deren existenz habe?

bisher habe ich immer gedacht, dass unsere familie eher klein ist. keine verwandten im ausland, wie langweilig. gestern wurde ich eines anderen belehrt! es ist echt ein schönes gefühl zu wissen, dass ich auch auf dieser seite der erdkugel verwandte habe! breitwillig boten mir etliche ihr zu hause an und wollen mir ihr mexiko zeigen, sodass ich nun total motiviert bin und mich wie ein kleines kind auf den kommenden februar freue!

20 November 2011

heftige winde und lautlose stille

was für eine woche!
währenddem die erste hälfte ruhig und gewohnt verlief, so hatte es der zweite teil um so mehr in sich. am donnerstag war für mich nach den ersten zwei lektionen schluss, da ich um halb elf an mein mündliches spanischexamen antraben musste. auf dem weg verfluchte ich mich selbst und fragte mich, warum ich mir diesen stress überhaupt antue... zwanzig minuten
vor dem gespräch durfte ich zwischen zwei texten über "klimawandel" und "jugend in der politik" auswählen. da mir beide themen ziemlich gegen den strich gingen, entschied ich mich für die politik. was ich jedoch sekunden nach der entscheidung gleich bereute, denn was hab ich schon mit politik am hut?! schlussendlich stellte es sich um eine gute entscheidung heraus und die 20 minuten prüfungszeit verliefen schnell. rückblickend war es auch mehr ein lockeres gespräch mit der expertin, in dem wir sogar diverse male über gewissen kommentare lachen konnten.

der weitaus weniger lockere teil kam dann am freitag, die schriftliche prüfung. nach 90 minuten ununterbrochenem lesen und fragen beantworten, rauchte mir bereits den kopf und die konzentration schien nur noch bruchweise vorhanden zu sein. ohne pause ging es dann jedoch schleggelawegge weiter mit 50 minuten audio, wo wir zuhören und wieder fragen zu den konversationen beantworten mussten. während dieser zeit hatte ich phasen, in denen meine gedanken wegflogen und ich mich selbst wachrütteln musste...
nach diesem hören wurde uns dann wenigstens eine kleine pause vergönnt, bis es mit schreiben weiter ging. 80 minuten hatten wir zur verfügung, um zwei texte über ein gewisses thema zu verfassen. auch hier - der kopf kurz vor der explosion und die hand mit krämpfen geplagt - war die zeit knapp und liess uns keine sekunde, um nur einmal über ein wort nachzudenken oder eines anzuzweifeln.

nun wird unsere geduld auf die probe gestellt, denn wir müssen ganze 10 wochen warten, bis wir das resultat erhalten. im nachhinein bin ich froh, dass ich die persönliche herausforderung angenommen und das examen absolviert habe.

nach dieser mentalen anstrengung beschlossen nicole, anna und ich, uns eine kleine auszeit zu gönnen, sodass wir am samstagmorgen unser wärli packten und einen tagesausflug zum strand, nach herradura unternahmen. schlafen und uns sonnen war unsere aktivität dieses tages, bis die wolken aufzogen und uns am nachmittag der regen wegscheuchte.
doch zu hause ging es gleichermassen weiter mit viel schlafen, der sonne geniessen und die schule ignorieren.

13 November 2011

schritt für schritt

die schule war diese woche so unspektakulär, sodass ich gleich zum weitaus spannenderen wochenende springe:
11 personen und ich haben uns entschieden, die strecke von san josé
nach puntarenas zu fuss zu gehen. nicht, dass ihr denkt, dass dies unser hirngespinst war, denn das ganze war offiziell ein wettlauf, an dem über 200 teams mitmachten. wir bildeten das "humoldt club" team, zusammengewürfelt von lehrern, eltern und wärtern der schule. rund zwei wochen vor dem stattfinden, trafen wir uns und organisierten alles: von kleinbus, über motorrad bis hin zur verpflegung. schliesslich war diese herausforderung kein katzensprung - die gesamthaft 112 kilometern wollten wir in weniger als 11 stunden hinter uns bringen.

am freitag, nach meinen letzten (!) spanisch nachhilfestunden, legte ich mich gleich ins bett, um wenigstens ein paar stunden schlafen zu können, bevor es los ging. doch vor lauter emotionen konnte ich natürlich kein auge zu tun, sodass ich um zehn uhr in der nacht, ohne schlaf, mit den teammitglieder auf dem humboldt-parkplatz auf den bus wartete.
um halb elf ging es los, richtung start, mitten in san josé. um zwölf folgte dann der startschuss und das laufen begann. wieder versuchte ich vergebens, wenigstens ein paar minuten schlaf zu finden. vor aufregung und adrenalin brachte ich es nicht weiter als vor mich hin zu dösen.
die stimmung war super im bus, wir feuerten uns an und motivierten uns, bis unsere kehlen nichts mehr von sich gaben.
um halb fünf uhr morgens, war ich schon fast an der reihe und stieg auf das motorrad, das mich zu meinem startpunkt brachte. rund eine halbe stunde später kam auch schon elmer, der mir die staffette übergab. und dann ging es los. besser hätte es nicht sein können: das sonnenlicht wurde von schritt zu schritt intensiver, die sicht auf das meer liess ich nie aus meinem blickfeld und der fakt, dass alles bergab ging, brachte mich zur bestleistung. abwärts hatte ich einen 4-er schnitt auf den kilometer, was ich noch nie hin brachte. hinter mir immer die zwei radfahrer, die uns auf dem ganzen weg begleiteten. auf dem letzten kilometer musste ich jedoch auf die zähne beissen: pure steigung, was mich ziemlich ans limit brachte. doch auch diese brachte ich erfolgreich, auch wenn ein bisschen langsamer, hinter mich und konnte den schlussspurt ansetzen, um die staffette einer kollegin weiter zu geben.

die aufregung war vorbei, doch das adrenalin hielt mich weiterhin wach... zum schlafen war auch gar keine zeit. um neun mussten wir nämlich alle aus dem bus steigen, da die letzten 800 meter mit der kompletten mannschaft gerannt werden mussten.
von wegen 800 meter! schlussendlich, unter der brennenden und stechenden sonne, liefen wir weitere 2.5 kilometer, bis wir endlich, nach 9 stunden und 20 minuten, im ziel ankamen.
was für ein stolz! umarmungen, glückwünsche und erleichterung, alles zur gleichen zeit.

nach einem kräftenden frühstück wurde schon der nach hause weg angenommen, dieses mal jedoch im bus und nicht mehr auf unseren erschöpften füssen. und endlich, endlich, konnte ich den nötigen schlaf nachholen. zu hause angekommen ging es dann auch gleich so weiter: schlafen, essen und bis sonntagmorgen durchpennen.

heut morgen dann das rausschälen aus dem bett. ich kam echt fast nicht raus. nicht etwa, weil ich noch müde war, sondern aufgrund meines muskelkaters. noch nie fühlte ich jeden einzelnen muskel so intensiv wie jetzt. selbst beim lachen tun mir die muskeln weh! für dieses einmaliges erlebnis hat es sich jedoch gelohnt!