03 August 2008

2 de agosto, la romería

da ich schon den schweizerischen nationaltag nur mental mitfeiern konnte (zusammen mit meinen eltern in einer feinen italienischen pizzaria :-)), wollte ich mir nicht auch noch ein wichtiger tag im leben der costaricaner entgehen lassen. la romería (pilgerfahrt) konnte ich schliesslich physisch an diesem samstag miterleben.

la romería wird jährlich am 2. august durchgeführt, in der die halbe bevöl
kerung von costa rica auf den beinen ist und sich in richtung basílica de nuestra señora de los ángeles in cartago bewegt. diese basílica hortet die sogenannte "la negrita" (schwarze madonna), die auslöser dieser pilgerung ist.


einschub für geschichts-interessierte, um die pilgerfahrt zu verstehen:
wir schreiben das jahr 1635. juana pereira heisst der junge, der sich in den wald begibt, um holz zu suchen. auf seiner suche entdeckt er auf einem stein eine "muñeca", eine puppe. diese gefällt ihm so sehr, dass er sie mit nach hause nimmt und in eine vitrine schliesst.
nächster tag, gleiches prozedere. zu seinem erstaunen entdeckt er wieder die gleiche puppe auf dem gleichen stein. verdutzt nimmt er diese mit und muss feststellen, dass die vitrine, trotz sc
hloss, leer dasteht. so schliesst er die puppe nochmals ein.
dritter tag, gleicher vorfall. verunsichert wendet sich juana an einen priester und erzählt ihm sein erlebnis. zusammen schliessen sie die puppe ein und warten den kommenden tag ab. am nächsten tag begeben sie sich gemeinsam in den wald und finden wieder dieselbe puppe auf dem stein vor.
schliesslich wird beschlossen, dass sich die puppe demnach an diesem einen platz zu befinden hat. so wurde eine kirche über diesen stein erbaut und darüber wird la negrita, die puppe, seither sicher in der basílica augehoben.


la romería wird nun zu ehren dieser negrita durchgeführt. menschen aus allen regionen in costa rica, die teilweise bis zu mehreren tagen oder sogar wochen zu fuss unterwegs sind, begeben sich genügend früh auf den weg, um am genannten datum in cartago anzukommen. viele leute werden von einem wunsch oder traum angetrieben, den sie durch dieses vorhaben in erfüllung zu gehen erhoffen.

ich machte mich zusammen mit eder, ein tico von hier, auch auf den weg. jedoch mit dem bus ;-)
auf der ganzen busfahrt konnten wir die laufenden menschen beobachten und bewundern.
vor der kirche befanden sich schliessich hunderte, wenn nicht tausende von menschen. kein gedränge, nichts, alles verlief total friedlich und sie begaben sich nacheinander, entweder zu fuss, oder auf den knien kriechend (!), in die kirche, wo sich die la negrita befand.
die vielen menschen, die atemwegpustende kirche (und das heisst etwas, wenn ich das sage!), sowie die kriechenden menschen beeindruckten mich ziemlich.

doch... ein ausflug ohne komplikationen??? neeeee... :
um ein uhr am nachmittag wurde eine prozession abgehalten, nach dieser hatten alle die gleiche idee: ab nach hause. aber natürlich nicht mehr laufend, sondern mit dem bus, so wie wir halt ;-) die reihe für unser bus erstreckte sich beinahe ins unendliche, hunderte von leute warteten in der brütenden hitze!
so beschlossen wir, zu laufen. pilgerfahrt rückwärts also. :-) nach einer viertelstunde hatten wir jedoch genug und gingen, dank viel glück, mit einem taxi weiter richtung einer mall um die zeit totzuschlagen, bis der grosse rummel mit dem bus-engpass und dem verkehrs-chaos vorbei war.
schliesslich, nach fünfstündiger rückfahrt (hinfahrt dauerte rund zwei stunden) kamen wir in heredia an.

No comments: