heute war es also so weit. ich musste den kindern in der schule tschüss sagen.
meine augen blieben dabei trocken! ich musste jedoch hart dafür kämpfen... kaum war es mir nämlich möglich, einen meter zu gehen, ohne dass dabei ein kind an meinem körper hing und mich bat, bei ihnen zu bleiben.
nebst tausenden von küsschen, die ich auf die backe gedrückt bekam, erhielt ich heute von den kindern noch ein einzigartiges andenken: jedes kind schrieb oder zeichnete mir etwas kleines auf ein blatt. all diese heftete die englischlehrerin zusammen und lässt mich nun glückliche besitzerin eines heftes mit lauter herzigen mitteilungen und verzierenden herzchen sein.
damit mich die kinder nicht vergessen, habe ich jedem ein portrait-foto (vom jeweiligen kind natürlich und nicht von mir ;-) ) und ein klassenfoto geschenkt. ihr hättet ihre gesichter sehen sollen, als sie sich selber sahen, so als ob sie sich das erste mal auf einem foto zu sehen bekamen! :-)
ach, ich werde die kleinen vermissen...
nach einer ruhigen woche folgte ein noch ruhigeres wochenende: freitags gings ins kino “meet dave” schauen (empfehlenswert für all diejenigen, die mal viel lachen und nichts denken möchten).
am samstag fuhren wir morgens "früh" (neun uhr :-)) nach brava, um die sonne in einer badi (samt sauna! welch luxus!) zu geniessen. brava ist ein eher kleiner ort und etwa einen kilometer von heredia entfernt.
ich bin mir mittlerweile so den regen gewohnt, dass ich ganz vergessen habe, wie intensiv die sonne sein kann. nicht, dass ihr jetzt denkt, dass es hier nur regnet und sonst nichts. im gegenteil! in den letzten tagen hat petrus besonders gute laune: morgens ist es angenehm warm und bis etwa vier uhr nachmittags fällt kein regen. dafür nachher, was jedoch nichts aus macht, weil man sowieso zu hause im warmen (mehr oder weniger warmen, hat ja keine heizung) hockt.
och da fällt mir ein: wisst ihr, was ich als erstes machen werde, wenn ich nach hause komme? eine heiiisse dusche werde ich nehmen und mich nachher vor den brennenden kamin (oder besser gesagt: dessen brennendes holz) setzen und mich schliesslich ins warme bett kuscheln ;-) ich freu mich schon!
also, zurück nach costa rica, samstag morgen, fast-strahlend blauer himmel: für gut drei stunden lagen wir also im grass und liessen uns sonnen. das hat auch gereicht, dass nadja nun einen knütschroten rücken hat. ich werd's wohl nie lernen ;-)
immerhin werd ich jetzt ein bisschen brauner nach hause kommen... wär ja peinlich, ein halbes jahr in costa rica zu sein, ohne brauner zu sein als vorher :-)
schon wieder schreibe ich von zu hause...
wie ihr merkt, langsam naht das ende meines aufenthaltes. nur noch knapp eine woche in der schule und nachher gehts wieder selber in die sprachschule für zwei wochen. erstaundlicherweise freue ich mich von tag zu tag mehr und mehr auf die schweiz. hätte ich nicht gedacht, aber irgendwie bin ich langsam aber sicher bereit, euch lieben wieder zu sehen. obwohl hier noch ein herz-schmerz abschied auf mich wartet, freu ich mich auf das herz-erfreuende wiedersehen.
aber eben, zurück nach costa rica. samstag verging also tranquilo, sonntag genauso. und jetzt sitze ich hier in der wohnung und wünschte, ich hätte den fünfer und das weggli. fühl mich zwischen stuhl und bank. schweiz und costa rica, costa rica und schweiz. chaos! ich geb's auf... ;-)
samstagmorgen, sechs uhr dreissig in der früh und mein wecker geht los. nein, ich bin nicht krank, auch wenn ich mich am wochenende so früh aus den federn begebe. obwohl, in diesem moment konnte ich es selber nicht fassen und wäre gerne noch ein paar weitere stunden gemütlich im bett liegen geblieben.
alles hat jedoch einen sinn, wie auch diese abnormalität: ich unternahm nämlich mit eder einen ausflug zum volcan irazú.
der vulkan ist nicht weit von heredia entfernt und liegt in der nähe der ehemaligen hauptstadt cartago. auch dieser berg zählt noch zu den wenigen aktiven vulkanen und hatte sein letztes dampfausgespucke vor gut 15 jahren.
um die vulkane sehen zu können, muss man sich hier in costa rica jedoch früh auf den weg begeben, da sich die wolken nach zehn/elf uhr in den krater nisten und ihn den restlichen tag nicht mehr wieder frei geben. deshalb fuhren wir um sieben uhr los, damit wir den bus in san josé auch auf sicher erwischen.
widder meinem bisherigen glück, das ich bisher auf ausflügen hatte, klappte dies auf anhieb. so erreichten wir den vulkan schliesslich noch rechtzeitig, konnten den krater bewundern und schön den wolken und dem nebel zuschauen, wie sie sich in den krater nisteten. und ihn nicht mehr verliessen.
allgemein war ich jedoch eher enttäuscht, ein grüner tümpel in einem loch zu sehen war nicht sehr spektakulär. doch der vulkan, war zum glück nicht die einzige attraktion an diesem ort: die kleinen tierchen auf dem bild, pisotes, versüssten den aufenthalt und liessen die herrschende kälte
vergessen (wir haben sogar dampf ausgeatmet!). verfressen wie sie waren kannten sie keine angst und frassen uns aus den händen. niedlich sag ich euche, hätte am liebsten eines mit nach hause genommen.
eine stunde später verliess der bus den vulkan wieder. und, welch ein wunder, auch wir waren auf dem bus, also auch hier verlief wieder alles glimpflich (wo steckt nur der haken?:-)). bevor wir schliesslich wieder richtung nach hause steuerten, schoben wir in cartago einen halt ein und gingen die kirche erneut besuchen, wie vor zwei wochen während der romería. dieses mal hatte es jedoch weniger menschen und weniger sensation, dafür war die kirche immer noch die gleich schöne. ohne in einer schlange stehen zu müssen gingen wir noch den stein anschauen, auf dem der legende nach die puppe stand und liessen uns von dem angeblich heiligen wasser beträufeln.
so nahm unser ausflug ein ende und ich kann nun behaupten, dass auch ausflüge ohne missgeschicke spannend und schön sein können ;-)
umzug
gringa-freiheit! meine verlorenen nerven können sich endlich wieder in ruhe regenerieren.
mein neues zu hause, ein kleines appartment noch näher am zentrum als die vorherige bleibe, macht mich richtig glücklich. es besteht aus zwei zimmern, wobei eines nun mir gehört. dieses ist, wie auf dem bild zu sehen, sehr spärlich eingerichtet mit nur einer matratze und einem regal. genügt mir jedoch für noch die letzten fünf wochen :-)
zudem befindet sich in der wohnung ein wohnzimmer, waschecke und küche. meine neuen mitbewohner sind unkomplizierte leute, also ein grosser unterschied zur vorhergehenden unterkunft. :-) dazu kommt der fakt, dass ich von nun an praktisch nur noch spanisch sprechen werde, bzw. muss, weil der freund meiner kollegin nämlich ein einheimischer ist. ein playstation-süchtiger einheimischer, zum ärgernis der freundin... männer! eine faszination, die ich niemals nachvollziehen werden kann :-)
anders als vorhin fühle ich mich hier auch sehr sicher, denn vis-à-vis befindet sich direkt das hauptzentrum der polizei von heredia. ein grosser unterschied zum alkoholladen, der sich noch vor einer woche vis-à-vis der residenz befand und regelmässig für gäste sorgte, denen ich im dunkeln nur ungern begegnete... doch wie immer gibt es auch nachteile bei einem ortswechsel, welche jedoch den vorteilen weitaus unterliegen. einer besteht darin, dass das internet nur nach lust und laune funktioniert (obwohl, beklagen möchte ich mich nicht, schliesslich benütze ich dieses als “pirot”. harrharr ;-)). weitere, dass kein telefon, sowie keine waschmaschine vorhanden ist. wobei letzteres kein viel grösseres übel ist, denn vorher hatten wir zwar eine waschmaschine, doch nur zu betrachten, weil sie nicht mehr funktionierte.
schule
das ende naht. nur noch zwei wochen bleiben mir mit den kindern übrig. täglich werde ich gefragt, ob ich denn wirklich gehen muss... mir zerreist letzten endes wohl doch noch mein herz. mal schauen, wieviele kinder ich schliesslich in meinem gepäck mitnehmen werde... :-)
doch auch die lehrerin möchte mich nicht gehen lassen. kein wunder, bei 27 kindern ist wohl jeder froh, unterstützung bei der arbeit zu erhalten.
obwohl ich noch nicht an das ende meines aufenthaltes denken möchte, werde ich trotzdem täglich daran erinnert, was mir ein kurzer stich im herzen hinterlässt. es wird nicht einfach sein, diesen ort zu verlassen (entschuldigung, wenn ihr dies jetzt schon zum x-ten mal lesen müsst, aber so ist es nun mal :-( )...
um so mehr werde ich nun die zeit, die mir noch bleibt geniessen. ich werde euch auf dem laufenden halten...
so ist es. mein aufenthalt (leider ist nicht mehr viel davon übrig) wird sich ab kommendem wochenende zünftig ändern. ich ergreife nämlich die flucht (hätte ich schon viel früher machen sollen!) und ziehe aus dem haus, in dem ich die letzten monate verbracht habe.
endlich!!! denn es hätte nicht mehr lange gedauert und ich wäre der einen gringa an der gurgel gehangen.
so zog ich nun die notbremse und werde zu einer kollegin (gringa... ABER eine von der raren sorte, mit der ich sehr gut auskomme :-) ) und ihrem freund (tico und zu meinem erfreuen tanzlehrer ;-) ) einziehen. nebst einem schöneren ort und einer zentraleren lage, werde ich obendrein noch nette mitbewohner haben. perfekt also!
jetzt fehlt nur noch, dass es auch wochenende wird. ihr könnt euch nämlich nicht vorstellen, wie satt ich die leute hier habe...
zu meiner vorfreude hin, hat sich heute noch in der schule eine aufregende sache ereignet: eine lehrerin musste notfallmässig (schlaganfall ihrer mutter) das schulhaus verlassen. ihre klasse blieb also unbeaufsichtigt. die schüler nach hause zu schicken kam erst gar nicht in frage, die kleinen dürfen die schule nämlich ohne elterliche begleitung erst gar nicht verlassen.
so kam es dazu, dass ich "meine" klasse übernehmen durfte und alejandra (die lehrerin "meiner" klasse) die andere übernahm.
wow, das war ein spass! für die kinder mal eine echte abwechslung und neue erfahrung, dass man auch ohne geschimpfe der lehrerin etwas lernen kann... und für mich wieder einmal eine bestätigung, dass ich den richtigen job erlernt habe... :-)
so warte ich jetzt nur noch ab, bis ich am samstag meine sieben sachen (viel mehr sind es nicht:-) ) packen und ans andere ort einziehen kann.
da ich schon den schweizerischen nationaltag nur mental mitfeiern konnte (zusammen mit meinen eltern in einer feinen italienischen pizzaria :-)), wollte ich mir nicht auch noch ein wichtiger tag im leben der costaricaner entgehen lassen. la romería (pilgerfahrt) konnte ich schliesslich physisch an diesem samstag miterleben.
la romería wird jährlich am 2. august durchgeführt, in der die halbe bevölkerung von costa rica auf den beinen ist und sich in richtung basílica de nuestra señora de los ángeles in cartago bewegt. diese basílica hortet die sogenannte "la negrita" (schwarze madonna), die auslöser dieser pilgerung ist.
einschub für geschichts-interessierte, um die pilgerfahrt zu verstehen:
wir schreiben das jahr 1635. juana pereira heisst der junge, der sich in den wald begibt, um holz zu suchen. auf seiner suche entdeckt er auf einem stein eine "muñeca", eine puppe. diese gefällt ihm so sehr, dass er sie mit nach hause nimmt und in eine vitrine schliesst.
nächster tag, gleiches prozedere. zu seinem erstaunen entdeckt er wieder die gleiche puppe auf dem gleichen stein. verdutzt nimmt er diese mit und muss feststellen, dass die vitrine, trotz schloss, leer dasteht. so schliesst er die puppe nochmals ein.
dritter tag, gleicher vorfall. verunsichert wendet sich juana an einen priester und erzählt ihm sein erlebnis. zusammen schliessen sie die puppe ein und warten den kommenden tag ab. am nächsten tag begeben sie sich gemeinsam in den wald und finden wieder dieselbe puppe auf dem stein vor.
schliesslich wird beschlossen, dass sich die puppe demnach an diesem einen platz zu befinden hat. so wurde eine kirche über diesen stein erbaut und darüber wird la negrita, die puppe, seither sicher in der basílica augehoben.
la romería wird nun zu ehren dieser negrita durchgeführt. menschen aus allen regionen in costa rica, die teilweise bis zu mehreren tagen oder sogar wochen zu fuss unterwegs sind, begeben sich genügend früh auf den weg, um am genannten datum in cartago anzukommen. viele leute werden von einem wunsch oder traum angetrieben, den sie durch dieses vorhaben in erfüllung zu gehen erhoffen.
ich machte mich zusammen mit eder, ein tico von hier, auch auf den weg. jedoch mit dem bus ;-)
auf der ganzen busfahrt konnten wir die laufenden menschen beobachten und bewundern.
vor der kirche befanden sich schliessich hunderte, wenn nicht tausende von menschen. kein gedränge, nichts, alles verlief total friedlich und sie begaben sich nacheinander, entweder zu fuss, oder auf den knien kriechend (!), in die kirche, wo sich die la negrita befand.
die vielen menschen, die atemwegpustende kirche (und das heisst etwas, wenn ich das sage!), sowie die kriechenden menschen beeindruckten mich ziemlich.
doch... ein ausflug ohne komplikationen??? neeeee... :
um ein uhr am nachmittag wurde eine prozession abgehalten, nach dieser hatten alle die gleiche idee: ab nach hause. aber natürlich nicht mehr laufend, sondern mit dem bus, so wie wir halt ;-) die reihe für unser bus erstreckte sich beinahe ins unendliche, hunderte von leute warteten in der brütenden hitze!
so beschlossen wir, zu laufen. pilgerfahrt rückwärts also. :-) nach einer viertelstunde hatten wir jedoch genug und gingen, dank viel glück, mit einem taxi weiter richtung einer mall um die zeit totzuschlagen, bis der grosse rummel mit dem bus-engpass und dem verkehrs-chaos vorbei war.
schliesslich, nach fünfstündiger rückfahrt (hinfahrt dauerte rund zwei stunden) kamen wir in heredia an.
meine staunenden eltern, nasse und grüne regenwälder (wusste nicht, dass "grün" so viele töne haben kann), ein aktiver und steinspuckender vulkan, rauschende wasserfälle, hängebrücken in atemberaubender höhe und wohligwarme thermalbäder - all dies führte dazu, dass ich ein unvergessliches wochenende in la fortuna verbringen konnte.
la fortuna ist ein kleines dörfchen, das momentan wohl doppelt so viele gringos (amerikaner) beherbergt als einheimische. demnach sehr touristisch. sehr, sehr touristisch. fast zu unheimlich stark touristisch. aber für ein wochenende haben wir's ausgehalten. :-)
typisch an diesem dörfchen ist, dass es ein ausgangpunkt für viele aktivitäten in der umgebung ist.
deshalb hatten wir zum beispiel trotz dauerregen am samstag genügend zu tun: unsere erste station hiess puentes colgantes (hängebrücken). eine schaukelige angelegenheit, wo's mir zum teil ein bisschen schwindelig wurde. schliesslich hingen wir bis zu 25 metern in der höhe. in diesen momenten versuchte ich mich stets auf das grün des regenwaldes zu konzentrieren, was mir das schwindlig-sein schnell vergessen liess. und das grün war nicht bloss grün! grün in allen tönen! dann noch die geräusche dazu von tieren, die ich bisher nur in bildern von büchern bestaunen konnte. allem dazu unterstützte der regen die atmosphäre, ein purer und echter regenwald also... :-) herrlich und in worten gar nicht auszudrücken. selbst die fotos können die schönheit nicht reflektieren.
der regen liess leider nicht nach, so beschlossen wir, baldi zu besuchen. eine anlage mit rund 15 thermalbädern. eines wärmer als das andere, teilweise so warm, dass wir nicht hineingehen konnten oder das bad nach fünf minuten mit roten köpfen verlassen mussten. (meist) perfekt zu entspannen. wären da nicht die gringos gewesen............ :-)
sonntag, hurra - kein regen! so beschlossen wir, den volcán arenal mit dem dazugehörigen nationalpark zu besuchen. ein aktiver vulkan, versteht sich! leider nicht bis zur spitze begehbar, was mir jedoch logisch erschien. mir genügte es auch vollkommen, die regelmässig dampfenden und
herunterfallenden steine aus einer sicheren distanz zu bestaunen. das grummeln des vulkanes schien mir auch nicht immer geheuer, doch schliesslich sind wir wieder heil vom fusse des vulkanes heruntergekommen.
weiter gings zu einem catarata (wasserfall). einem unter vielen hier in costa rica.
um diesen von unten zu betrachten mussten wir jedoch erstmals 480 stufen nach unten laufen (spüre diese immer noch in meinen waden). danach war die volle wucht dieses wasserfalles zu bewundern, eingebettet in einem regenwald, umgeben von blumen und grün, samt getöse und wasserwolken. wieder einmal mehr nicht in worten zu fassen, deshalb: kommt hier her und erlebt selber ;-)
und so verging ein ereignisreiches wochenende. unglaublich, wie viele eindrücke dass ich gewinnen konnte in diesen nur zwei tagen.
dazu die begeisterung meiner eltern! ich musste sie nicht von costa rica überzeugen, sie schienen wie von selbst von diesem land wie weggeblasen...