"aller anfang ist schwer", sprichwörter sind nicht umsonst, auch in meinem fall ganz zutreffend.
montag: orientation für die lehrpersonen. die kinder konnten noch einen weiteren tag ferien geniessen, währenddem ich mich um halb sechs aus den federn schälte, um halb sieben bereits vor der schule stand und erfahren musste, dass die sitzungen erst um zehn uhr anfangen. toller anfang! :-)
aber das ganze war halb so wild, nach wenigen minuten kamen bereits kollegen herein und die vorstellung konnte beginnen. wieder einmal hatte ich keine ahnung, mit wem ich nun wie sprechen sollte. doch schnell wurde mir klar, dass das spanisch im lehrerzimmer regiert.
die sitzungen finden meist zweisprachig, also auf spanisch und deutsch statt. wenn also eine "normale" sitzung in der schweiz eine stunde dauert, so dauert dies hier zwei stunden. oder vielleicht auch mehr, denn durch mangelnde konzentration der lehrpersonen (!) musste immer wieder eine pause eingelegt werden, damit sich alle wieder beruhigen konnten und fortgefahren werden konnte.
zustände, die ich mir nicht gewohnt bin, aber sagen muss, dass dadurch alles ein bisschen "humaner" und "relaxter" wird. zum nachteil halt eben, dass wir schlussendlich noch um vier in der schule waren, anstatt, so wie geplant, um drei uhr schluss hatten.
dienstag: dieses mal zur richtigen zeit, am richtigen ort. um halb acht begann die erste sitzung, die kinder konnten wieder friedlich zu hause weiter schlafen. nach der ersten sitzung folgte einer der anderen. da ich drei klassen habe (eine zweite, dritte und vierte) musste ich auch an drei sitzungen teilnehmen und immer dasselbe durchkauen: examen-termine finden, projekt-thema austüffteln und wichtige ereignisse planen. die erste sitzung dauerte eine geschlagene stunde. in der letzten konnten wir das ganze auf eine viertelstunde herunterbrechen. das nenn ich effizienz!
und trotzdem wurde der humor nicht vergessen, wurde viel gelacht und ich hatte die gelegenheit, x-mal rot anzulaufen, da mir etliche komplimente über meine spanisch-kenntnisse gemacht wurden. viele konnten nicht glauben, dass ich noch vor einem jahr kein wort spanisch sprechen konnte. als ich dann jedoch erwähnte, dass mein freund ein einheimischer sei... da wurde gelacht und gesagt "ah, la lengua del amor" und alles schien klar zu sein ;-)
als ich an diesem tag noch erfahren durfte, dass eine weitere lehrerkollegin auch in heredia wohnt und in ihrem auto noch freie plätze vorhanden sind, konnte ich mein glück gar nicht fassen. das bedeutet am morgen keinen stress mit dem bus!
mittwoch: 6:20 abfahrt, 6:35 an der schule. wow (mit bus mindestens 40 minuten)!
dieses mal mussten sich auch die kinder aus den betten schälen. die schule hat nun definitiv begonnen...
die erste stunde wurde in der turnhalle abgehalten, begrüssung des direktors sowie des deutschen botschaftlers persönlich war angesagt. die hymnen wurden gesungen, deutsche sowie costaricanische. tja, ich stand da und realisierte, dass ich weder noch mitsingen konnte. noch peinlicher wurde es dann noch, als ich auf die bühne musste, um mich vorzustellen. ohne vorahnung habe ich (vor 700 schüler!) irgendwas ins mikrophon gesagt und hatte schon eine sekunde nach der begrüssung vergessen, was ich eigentlich gesagt habe.
dann gings los, mit "meiner" klasse (im klassenzimmer und nicht im garten! sie haben's also geschafft!).
ich bin klassenlehrerin einer vierten klasse. 24 schüler, die meisten sprechen als muttersprache spanisch. und das merkt man! ich war ziemlich geschockt, dachte ich doch, dass ihre deutsch-fähigkeiten höher liegen... als ein knabe dann noch vor der klasse einem mädchen "er" gesagt hatte und die ganze klasse zu lachen anfing, war mir jedoch auch gleich klar, warum dass sie sich auch so schämen, zu sprechen! wow, da wurde ich wütend und habe den kindern gleich eine rede gehalten! nach dieser waren sie schön ruhig und ich glaube, dass das auslachen zur vergangenheit gehört und hoffe, dass dies dem "ich versuchs mal auch wenns nicht richtig ist" platz macht.
die letzten zwei stunden (ich gebe stets sechs lektionen schule von halb acht bis zwölf) unterrichtete ich in der zweiten klasse. da können sich die kinder aus der 4. eine scheibe abschneiden! obwohl viel jünger, sind diese viel weiter mit dem deutsch. und das wichtigste: sie reden einfach und schämen sich nicht. so wie's halt sein sollte.
dafür haben sie sonstige probleme, wo sie sich bei der 4. was abschneiden könnten: disziplin ;-) aber auch das kriegen wir noch hin.
im ganzen ein super start. so beschloss ich am donnerstag wieder zu gehen :-)
donnerstag: das aufstehen fiel mir leicht, wusste ich doch, dass ich nur vier lektionen schule habe, da die zweite klasse ein spezial-programm hatte.
meine freude wurde jedoch in tausend stücke zerschlagen, als ich erfahren musste, dass ich einer anderen 4. klasse unterricht erteilen muss, da die lehrerin krank war ("was soll ich denn mit dieser klasse machen?" - "ja, mach doch einfach irgendetwas!"). toll! dazu noch, dass ich die zweite klasse trotzdem zum spezial-anlass begleiten musste und dabei sein sollte. toll! so wurde aus dem "ruhigen morgen" ein herum-gehetze. flexibilität! das lerne ich hier! und wie!
neu hatte ich auch noch die 3. klasse in deutsch-muttersprache mit kindern, die deutsche eltern haben. einer davon kommt sogar aus bern, hat also schweizer-eltern ;-) das schöne ist, dass nur acht kinder in dieser klasse sind und jeder lehrer weiss, was unterricht mit nur so wenigen kindern heisst... ich freue mich jetzt schon total auf diese stunden!
freitag: angefangen mit "meiner" vierten, in deutsch-fremdsprache. eine total friedliche stimmung und mein grosses erstaunen, als sie alleine und still arbeiten mussten. die waren wirklich still. ich meine, wirklich, wirklich still! da können sich die kinder aus der schweiz eine scheibe abschneiden!
das pure gegenteil dann dafür in der zweiten klasse. auch kein wunder, meine erwartungen waren ein bisschen zu hoch in der mathe, was die unruhe herauf beschwor und sich nicht mehr verdrängen liess. naja, auch das kriegen wir noch hin :-)
quintessenz: nächste woche werde ich also wieder hin gehen :-) obwohl ich mich nach dieser woche fühle, als ob ich bereits einen monat schule gegeben hätte und es einige dinge gibt, die ich von der schweiz her vermisse, fühle ich mich der aufgabe gewachsen und freue mich auf die kommenden wochen.
2 comments:
Liebe Nadja
Ganz herzlichen Dank, dass Du trotz der "struben" Zeit Dir Zeit für Deinen Bericht genommen hast. Ich freue mich mit Dir, dass Du so schnell im kalten Wasser schwimmen gelehrnt hast.
Herzliche Grüsse
Rolf
Liebe Nadja
Ganz herzlichen Dank, dass Du Dir - trotz der "struben" Zeit - Zeit für Deinen Bericht genommen hast. Ich freue mich mit Dir, dass Du so schnell im kalten Wasser schwimmen gelernt hast.
Herzliche Grüsse
Rolf
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