wenn normale wochen in zukunft jedoch so schnell vergehen ist das jahr schon bald vorbei.
nebst meinen lektionen in dieser woche, hatten wir auch noch sitzungen an zwei nachmittagen. das ist der nachteil, wenn man als fachperson eingesetzt wird. jedes fach hat ihre sitzungen und wenn man pech hat und lehrperson von fünf verschiedenen fächern ist, ist es anzuraten, gleich ein bett ins klassenzimmer zu stellen.
naja, von dem her habe ich mit meinen zwei fächern nochmals glück gehabt.
die woche war intensiv und meine nerven gingen über stahl bis nach überfeinen fäden, die zu reissen drohten. klar kann ich nach den wenigen wochen, die ich bis jetzt an humboldt unterrichtete nicht urteilen, wie es ist und sein wird. aber mein bild wird von tag zu tag klarer, oder eben, durch die informationen, die ich zu hören bekomme, immer unklarer und undurchschaubarer.
damit ihr euch ein bild machen könnt, folgendes beispiel unter vielen anderen, die ich nicht alle auflisten könnte:
- ich bin klassenlehrerin einer 4. klasse. sechs kinder von den 24 haben als muttersprache deutsch, sprich ich habe diese nicht in meinem deutsch-unterricht, da ich diesen nur für die 18 nicht-muttersprachlich deutsch-sprechende erteile. das heisst, dass ich diese 6 kinder 5 lektionen in der woche zu sehen bekomme. wie kann ich da der funktion "klassenlehrerin" getreu werden?
- gleichzeitig unterrichte ich in einer zweiten klasse. zwei kinder davon mit lernschwierigkeiten. der klassenlehrer möchte sich mit mir und deren eltern zusammensetzen um über das problem zu reden. gleichzeitig habe ich gut vier fälle in meiner klasse, denen ich nachgehen sollte und mit all den betroffenen lehrern reden sollte.
durch all diese aufgaben und aufgaben, denen ich nicht so gerecht werden kann wie ich gern wollte, fällt es mir sehr schwer, mich auf die eigentliche arbeit, das unterrichten, zu konzentrieren. ich wünsche (und erhoffe) mir einfach, dass ich mit der zeit in das ganze system "hineinwachsen" werde. denn so weiter und ich krieche in ein paar wochen am boden umher.
das problem ist, dass ich mit anderen vorstellungen hierher gekommen bin. ich habe costa rica letztes jahr als "pais de la tranquilidad" erlebt und habe dies auch an der schule erwartet. dabei habe ich vergessen, dass die schule halt deutsch ist...
oder in anderen, schön formulierten, poetischen worten, die meine situation beschreiben:
in der schweiz floh ich vor einem korsett, das sich durch die normen und erwartungen der gesellschaft immer enger zu schliessen drohte. hier in costa rica laufe ich frei herum und kann wieder atmen. mit dem haken, dass der boden aus eisschollen zu bestehen scheint. bei jedem schritt weiss man nicht, ob man gleich wieder ins kalte wasser fallen, oder ob die schicht mich tragen wird.
tja, wie erwartet ist es nicht. aber ich geb nicht auf! und mach das beste daraus :-)
am wochenende ist es mir wenigstens am sonntag gelungen, mich von der schule abzulenken. wir, freunde, freund und ich, gingen in den parque de diversiones. für einen pauschaleintritt konnten wir so oft wir wollten auf alle bahnen gehen. bahnen, die mir das adrenalin aus dem körper saugten, über solche, die meine kleider fast bis auf die unterhosen nässten, bis hin zu gemütliche entspann-bahnen.
zudem schien die sonne den ganzen tag auf uns herab und meinte es sehr lieb mit uns. leider ein bisschen zu lieb, weshalb ich wieder einmal mehr an einem kleinen sonnenbrand leide... es war's jedoch wert! :-)
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