wieder eine woche vorbei. echt unfassbar, wie schnell die zeit hier vergeht.
aber mit examen korrigieren und unterricht vorbereiten ist dies auch kein wunder. und nichts als nötig! noch zwei wochen muss ich durchhalten bis ferien sind und ich meine leeren batterien wieder aufladen kann.
ich frage mich die ganze zeit, warum das leben hier drüben so viel mehr energie braucht, als in der schweiz. schlussendlich sind es wohl viele verschiedene faktoren, die zusammen kommen (neue schule, ungewohntes umfeld, ungewohnte erwartungen anderer, ...) und die ich im moment nichts als annehmen und akzeptieren muss. ein prozess, der wohl noch eine weile braucht.
die woche verlief wieder positiv, ohne unangenehmen zwischenfällen also. examen wurden geschrieben, bis die köpfe vor anstrengung rot anliefen und examen wurden korrigiert, bis mein kopf rot anlief und ich nun kein weiteres examen mehr sehen möchte. :-)
der anfang der woche versprach jedoch alles andere als eine ruhige woche: meine kollegin, die mich täglich mit ihrem auto mitnimmt, verspätete sich um zehn minuten. da fragt man sich: zehn minuten, was solls?! hier bedeuten jedoch zehn minuten unter umständen, dass man eine stunde später als sonst ankommt, weil man genau in der rush-hour landet. wir landeten dort. inklusive zwei unfällen, die den verkehrsfluss total behinderten. um 7:28 kamen wir schliesslich in der schule an, um 7:30 begann die schule... das nenn ich stress! den ganzen tag rannte ich dann schliesslich von einem ort zum anderen und erledigte noch alles, was ich am morgen nicht machen konnte... so was möchte ich niemals wieder erleben!
der rest der woche verlief dann ruhig.
am dienstag nach der schule besuchte ich noch meine "alte schule" vom letzten jahr. war das eine riesen freude! die kinder haben sich so sehr gefreut, dass ich innerhalb von zehn minuten zig briefe mit "ich hab dich lieb"-erklärungen darauf in meinen händen hielt und von ihren umarmungen fast umfiel. unglaublich auch, an was sie sich noch alles erinnern konnten! dinge, die ich schon lange vergessen habe, wollten sie wissen, ob ich mich noch daran erinnern könne.
die schüler haben sich ziemlich verändert. die einen schossen in die höhe (drittklässler und der eine ist schon fast grösser als ich! ich weiss, ich weiss, das ist ja auch keine kunst bei meiner grösse ;-)) und die anderen schossen sichtlich in die breite. aber alles immer noch schnüggels, die ich bestimmt nicht zum letzten mal besucht habe!
am wochenende konnte ich wieder richtig entspannen. am samstagabend gab's bei mir für zwei freunde eine "how-to-make-sushi"-lektion. sie waren von der technik tief beeindruckt. und noch mehr, als sie diese selber ausprobierten und merkten, dass auch sie schöne sushi zubereiten können! :-)
bei meinem wöchentlichen besuch an der "feria" in heredia konnte ich diesen samstagmorgen meinen augen nicht trauen: vor mir stand eine frau mit einem migros-sack!!! die orange schrift konnte man, trotz bunten früchten überall, nicht übersehen! ich konnte es natürlich nicht lassen und musste sie ansprechen. mit einem spanisch-akzent-bereicherten spanisch antwortete sie mir, sie sei von der schweiz und habe diesen mitgenommen. und dann gings natürlich auf schweizerdeutsch weiter. das tat gut! nach telefonnummer-austausch verabschiedeten wir uns und ich war mir eigentlich schon sicher, nichts mehr von ihr zu hören. doch kaum eine stunde später, klingelte das telefon und ich wurde auf ein sonntagsausflug mit ihr eingeladen. das nenn ich spontaneität! :-)
wir gingen nach atenas, ein kleines dörfchen, etwa 45 minuten von heredia entfernt. alles ein bisschen ruhiger, grüner und noch wärmer als in heredia. sonja, eben die schweizerin, kennt dort einen deutschen, der erst gerade vor kurzer zeit ein restaurant eröffnete. ich konnte wieder einmal seit langem in ein knuspriges brot beissen und sonja sass glücklich vor einem cervelat-salat, von dem sie schon lange träumte.
nach einigen stunden geschwätz (sie ist bereits pensioniert und hat einiges erlebt!) ging's wieder zurück, schliesslich musste ich noch für die schule vorbereiten.
aber das tat gut, dieses wochenende samt ausflug! energie sollte jetzt wieder genügend vorhanden sein für die kommende vorletzte (!) woche...
ich kann es immer noch nicht fassen und bin ganz baff, aber die vergangene woche verlief einwandfrei positiv!
die stunden mit den kindern machten richtig spass, man merkt, dass sie sich langsam an mich und ich mich an sie gewöhnt habe und wir wissen, was geht und was nicht. da braucht es manchmal nur blicke und es wird verstanden, was gemeint ist. so kann man arbeiten!
naja... sofern man nicht von übermenschlichen kräften gestört wird (nein, keine ufos):
am donnerstag, ein gewöhnlicher tag wie jeder andere, unterrichtete ich um elf uhr im klassenzimmer der "kleinen", mathematik. gerade wollte ich eine schülerin zahlen auf dem hunderterfeld (ja, jetzt dürfen sie schon bis hundert zählen!) abfragen, als plötzlich ihr pult rüttelte. ich dachte "ach, diese kinder! wollen wieder einmal die aufmerksamkeit wecken und rütteln am pult" (natürlich in mundart). hab also extra nicht aufgeschaut. 15 sekunden später sagt ein junge "sie, ein erdbeben!" (natürlich in spanisch). "übertriebene sache!" hab ich gedacht, ging aber raus, wollte die kinder ja wieder beruhigen. und da sehe ich, dass die halbe schule schon draussen stand. hoppla! wirklich ein erdbeben! so versuchte ich die angsterfüllte kinder-meute zu beruhigen und sie dazu zu bringen, nicht gleich die vordersten über den haufen zu rennen. aber sie verhielten sich erstaundlich ruhig (ich glaube, ich war nervöser, war schliesslich mein erstes :-)). so versammelten wir uns draussen, warteten einige minuten und gingen wieder ins zimmer hinein.
so fühlt sich also ein erdbeben an! wow!
dem aber nicht genug! am nachmittag zu hause angekommen (ja, ich weiss, lehrer haben's schön, die haben am nachmittag frei) sass ich vor dem compi und arbeitete für die schule (jaaaa, die nachmittage sind nämlich dafür da, den nächsten tag vorzubereiten!). wieder bebte für kurze zeit der tisch. ich blieb sitzen und die frage "was nun?" schoss durch meinen kopf. hab mich an meinen papi erinnert, der mir sagte, ich soll unter einen türrahmen stehen. das machte ich also. doch der spuk war schon vorbei, sobald ich im türrahmen stand. wieder eine eher kleinere sache also. wobei ich nachher nachlas, auf der richterskala erreichte dieses eine glatte sechs! aber da das zentrum gut 300 kilometer weit weg lag, fühlten wir hier nicht viel davon.
mir reichte es auf alle fälle für's erste einmal :-)
der rest der woche verlief dann noch ruhig. sehr ruhig sogar, denn momentan haben wir examen-zeit. nicht so wie in der schweiz, wo die kinder immer wieder irgendwelche tests haben, haben hier die kinder nämlich nur alle sechs wochen ein examen. meine vierte hatte in deutsch den test und ich bin mit dem resultat sehr zufrieden. sie hatten also doch was gelernt bei mir! :-)
das wochenende verbrachte ich schliesslich mit korrigieren und vorbereiten, wie soll's auch anders sein.
am samstagabend gab's wieder einmal sushi... diese dinger machen einfach süchtig! :-) dieses mal jedoch liessen wir sie uns machen und gingen ins restaurant. wir sassen direkt am schauplatz und konnten zusehen, wie profis diese kunstwerke verfertigen. so konnten wir uns ein paar tricks abkucken, damit unsere nächsten sushi noch schöner werden ;-)
am sonntag war schlafen angesagt. ihr könnt gar nicht glauben, wie sehr ich mich auf die ferien freue (noch drei wochen ;-))! ich werde die hälfte davon verschlafen!
gerne würde ich ja loslassen und euch erzählen, was mir diese woche alles passiert ist. aber leider, leider geht dies nicht. angenommen, ich würde euch erzählen, was mir widerfahren ist, könnte ich euch wohl schon bald wieder persönlich in der schweiz begrüssen. darum, lassen wir's lieber ;-)
soviel zu meiner situation: es ist nicht einfach hier (und damit beziehe ich mich auf die arbeit in der schule). und zwar aus dem einfachen grund, weil zwei kulturen aufeinander stossen, die eine total andere auffassung von schule und bildung haben. resultierend, dass ich wohl meine auffassung über bord schmeissen muss, sofern ich nicht einen nervenzusammenbruch erleiden möchte.
aber zum glück gibt es im leben auch noch anderes (obwohl dies momentan wirklich sehr kurz kommt). so konnte ich mit freuden feststellen, dass die mango-saison definitiv begonnen hat. "la feria" hat bald nichts anderes mehr als diese früchte, in allen farben und arten, die es gibt. da habe ich auch schon eine neue entdeckung gemacht: die mango cele. die mango, die in zukunft bergeweise in meinem kühlschrank anzutreffen ist. :-) diese hat eine süsse, die alles andere übertrifft. wenn ihr gelegenheit habt: unbedingt probieren. hahaha (muss auch meine freuden haben, ihr habt dafür willisauerringli, das ist schwer zu übertreffen :-)
exkurs:
damit ihr eine idee habt, welche mangoarten dass es gibt, schaut euch das bild links an (ist zwar von hawaii). und ich bin mir sicher, dass in costa rica noch mehr vorhanden sind ;-)samstagmorgen war also eine pure freude. auch der abend war super, endlich war wieder einmal tanzen angesagt! ich merkte jedoch schnell, dass ich dies zu lang vernachlässigt habe, habe ich doch sicher die hälfte der schritte vergessen! deshalb, in zukunft wird wieder öfters getanzt oder sonst werde ich ständig mit blauen flecken herum laufen, weil es auf dem parkett einen zusammenstoss gab.
am sonntag war dann ausschlafen angesagt und erneutes einstimmen in die neue woche.
leider ging das wochenende wieder viel zu schnell vorbei. doch konnte ich zumindest wieder energie tanken und hoffe jetzt, dass dies auch für die kommende woche reichen wird.
eine woche ging zu ende, die ich auch gleich ganz schnell aus meinem gedächtnis streichen werde.
angefangen hat ja alles ganz harmlos und friedlich: am montagmorgen wurde in den letzten zwei stunden karneval gefeiert. zur feier des tages gab's sogar berliner für jeden schüler! die undankbarkeit wurde jedoch schnell wahr genommen, sammelten sich doch unzählige angebissene berliner um zwölf im papierkorb und einen haufen unangetastene "gonfi-bomben" im lehrerzimmer.
der positive effekt: ich werde für die restliche zeit dieses jahres, vielleicht sogar meines lebens, bestimmt keinen einzigen berliner mehr antasten :-)
die wendung kam dann bereits am montagabend: elternabend war angesagt. ich wurde vorhergehend leider sehr unzureichend informiert und wusste nicht wirklich, was auf mich zukommen und von mir erwartet wird. schliesslich wurde ich nur so von fragen bombadiert, dass ein schweizer emmentaler-käse mit seinen mickrigen löchern gegenüber meinen gleich hätte einpacken können.
und das waren fragen, mit denen ich echt nicht rechnete. hätte mir wohl vorher überlegen sollen, wie genau die kinder in ihren heften zu korrigieren haben, ob nun mit bleistift oder doch wohl mit füller. oder wie sie nun das "r" zu schreiben haben. fragen, die ich mir ja schon überlegt habe, aber dass die eltern so was interessiert?! naja.
ich kam mir nachher auf alle fälle so richtig sch... vor und hätte nichts gegen einen flug in die schweiz zurück gehabt. oder einen jobwechsel. vielleicht bin ich doch nicht richtig im lehrerberuf?!
naja, mittlerweile sehe ich's wieder ein bisschen relaxter und hab den ganzen anlass in eine kiste gepackt und gaaanz hinten in eine ecke meines hirnes gestellt.
am dienstag konnte ich mich schliesslich wieder selber überzeugen, dass ich eben doch vor eine klasse gehöre. der tag mit den kindern verlief super und machte sogar spass. lernen kann spass machen, ja! :-)
leider dauerte dieses gefühl nicht lange, denn der rest der woche musste ich selber in die schule, in eine weiterbildung. tönt jetzt vielleicht als "ganz locker", da man selber ja nicht's vorbereiten muss und nur konsumieren kann. doch, ich hätte das unterrichten vorgezogen! erstens einmal musste ich ja die klassen für die lehrer vorbereiten, die mich für die fehlende stunden ersetzten. und zweitens dauerte die weiterbildung von morgens um halb acht bis abends um sechs...
das positive war immerhin, dass ich was dazu lernte, unter anderem auch ein referat hörte, das über "die eltern der kinder in einer privatschule im ausland" vorwarnte. nach dem referat bedankte ich mich herzlich, super infos. einfach ein BISSCHEN zu spät ;-)
vor dem wochenende musste ich dann schliesslich noch feststellen, dass ich mir das vorbereiten für die stunden hätte ersparen können. die aushilfen (fast jede stunde wurde von einem anderen lehrer übernommen) konnten oftmals nur spanisch sprechen. da waren all die schön vorbereiteten deutsch-blätter für die katze. das gute dabei ist, dass ich nun nächste woche all das schön vorbereitete material verwenden kann. :-)
wenn ich eins lerne hier, dann ist dies das positive denken, sowie das "nicht so ernst nehmen" und ein bisschen nach hinten lehnen. und genau das habe ich an diesem wochenende auch vor und auch verdient. und humboldt schieb ich nun erstmals weg, hab davon genug gehabt diese woche! :-)
die erste normale woche wurde hinter mich gebracht. was so viel heisst, wie normaler unterricht, ohne spezialprogramm oder sonstigen ausfällen.
wenn normale wochen in zukunft jedoch so schnell vergehen ist das jahr schon bald vorbei.
nebst meinen lektionen in dieser woche, hatten wir auch noch sitzungen an zwei nachmittagen. das ist der nachteil, wenn man als fachperson eingesetzt wird. jedes fach hat ihre sitzungen und wenn man pech hat und lehrperson von fünf verschiedenen fächern ist, ist es anzuraten, gleich ein bett ins klassenzimmer zu stellen.
naja, von dem her habe ich mit meinen zwei fächern nochmals glück gehabt.
die woche war intensiv und meine nerven gingen über stahl bis nach überfeinen fäden, die zu reissen drohten. klar kann ich nach den wenigen wochen, die ich bis jetzt an humboldt unterrichtete nicht urteilen, wie es ist und sein wird. aber mein bild wird von tag zu tag klarer, oder eben, durch die informationen, die ich zu hören bekomme, immer unklarer und undurchschaubarer.
damit ihr euch ein bild machen könnt, folgendes beispiel unter vielen anderen, die ich nicht alle auflisten könnte:
- ich bin klassenlehrerin einer 4. klasse. sechs kinder von den 24 haben als muttersprache deutsch, sprich ich habe diese nicht in meinem deutsch-unterricht, da ich diesen nur für die 18 nicht-muttersprachlich deutsch-sprechende erteile. das heisst, dass ich diese 6 kinder 5 lektionen in der woche zu sehen bekomme. wie kann ich da der funktion "klassenlehrerin" getreu werden?
- gleichzeitig unterrichte ich in einer zweiten klasse. zwei kinder davon mit lernschwierigkeiten. der klassenlehrer möchte sich mit mir und deren eltern zusammensetzen um über das problem zu reden. gleichzeitig habe ich gut vier fälle in meiner klasse, denen ich nachgehen sollte und mit all den betroffenen lehrern reden sollte.
durch all diese aufgaben und aufgaben, denen ich nicht so gerecht werden kann wie ich gern wollte, fällt es mir sehr schwer, mich auf die eigentliche arbeit, das unterrichten, zu konzentrieren. ich wünsche (und erhoffe) mir einfach, dass ich mit der zeit in das ganze system "hineinwachsen" werde. denn so weiter und ich krieche in ein paar wochen am boden umher.
das problem ist, dass ich mit anderen vorstellungen hierher gekommen bin. ich habe costa rica letztes jahr als "pais de la tranquilidad" erlebt und habe dies auch an der schule erwartet. dabei habe ich vergessen, dass die schule halt deutsch ist...
oder in anderen, schön formulierten, poetischen worten, die meine situation beschreiben:
in der schweiz floh ich vor einem korsett, das sich durch die normen und erwartungen der gesellschaft immer enger zu schliessen drohte. hier in costa rica laufe ich frei herum und kann wieder atmen. mit dem haken, dass der boden aus eisschollen zu bestehen scheint. bei jedem schritt weiss man nicht, ob man gleich wieder ins kalte wasser fallen, oder ob die schicht mich tragen wird.
tja, wie erwartet ist es nicht. aber ich geb nicht auf! und mach das beste daraus :-)am wochenende ist es mir wenigstens am sonntag gelungen, mich von der schule abzulenken. wir, freunde, freund und ich, gingen in den parque de diversiones. für einen pauschaleintritt konnten wir so oft wir wollten auf alle bahnen gehen. bahnen, die mir das adrenalin aus dem körper saugten, über solche, die meine kleider fast bis auf die unterhosen nässten, bis hin zu gemütliche entspann-bahnen.
zudem schien die sonne den ganzen tag auf uns herab und meinte es sehr lieb mit uns. leider ein bisschen zu lieb, weshalb ich wieder einmal mehr an einem kleinen sonnenbrand leide... es war's jedoch wert! :-)
und schon gings letzte woche in der schule in die zweite runde. auch diese war nicht “normal”, da wir ab mittwoch ein spezieller unterricht erteilen mussten, den wir “klippert” benannten.
doch bereits am montag war accion angesagt, als während dem unterricht plötzlich kinder schrien und ich ein blutverschmierter schüler im klassenzimmer vorfand. schnell stellte sich heraus, dass es sich “nur” um nasenbluten handelte, der anblick war jedoch alles andere als schön.
nach diesem tag ging es zum glück ein bisschen ruhiger zu und her. klippert war angesagt.
exkurs für klippert-interessierte:
klippert, ein mann, setzte sich eines tages hin und schrieb ein buch mit dem titel "methoden-training". in diesem buch erklärt er verschiedene methoden, die angewendet werden können, damit sich das lernen erleichtert.
die schüler, in unserem fall, lernten also, wie man lernt. tönt jetzt vielleicht bescheuert, ist es aber nicht. gute ideen werden übermittelt, so wird den kindern mit durchgeführten experimenten zum beispiel bewusst, wie sie am besten lernen (visuell oder oral? mit musik, ohne musik?), werden hilfen zum lesen&verstehen vorgestellt (unterstreichen, zusammenfassungen schreiben, “scannen”) und lerntechniken anderer kinder zum analysieren präsentiert.
in drei tagen führten wir dies durch. meiner meinung nach hätte alles gestaffelter durchgeführt werden sollen, da die kinder täglich mit zu vielen informationen zugedeckt wurden. ich bin aber schon zufrieden, wenn bei ihnen die hälfte haften geblieben ist nach diesen tagen. die techniken die vermittelt werden haben's nämlich in sich.
nun, der erste tag verlief ziemlich chaotisch. wussten weder schüler und lehrer so richtig, auf was man sich eingelassen hatte. zu zweit waren wir für meine vierte verantwortlich und schliesslich kam ich in diesen tagen mehr zum spanisch sprechen als die kinder zum deutsch sprechen. auch kein wunder, die unterlagen waren alle in spanisch verfasst, sodass es wenig sinn machte, die lektionen in deutsch zu vermitteln.
nun ja, meinem spanisch tut's gut! nachdem dann noch eine fremde frau glaubte, ich sei eine tica, wusste ich, dass sich mein spanisch im letzten monat (ja, ich bin schon einen monat hier!!!) drastisch verbessert hatte ;-)
zurück zu klippert: der zweite tag verlief dann schliesslich einiges ruhiger, ja, es wurde sogar mit euphorie gearbeitet!
am dritten und letzten tag flachte die euphorie leider jedoch wieder ab. auch kein wunder, nach dem fünften text lesen, analysieren, unterstreichen, etc. hatten die schüler (und auch wir lehrer!) definitiv genug geklippert und waren froh, endlich wochenende zu haben!
am donnerstagabend war noch ein wichtiger anlass angesagt: das bienvenido, natürlich zu ehren von uns neuen lehrern :-) anwesend waren alle wichtigen personen der schule, bis hin zu botschafts-leuten, denen auch ich die hände schütteln durfte. welch eine ehre!
wir neuen mussten uns erneut vor allen vorstellen (zum fünften, oder war's zum sechsten mal?). nachdem ich meine ansage mit züridüütsch begonnen habe, mit hochdeutsch bekannt gab, wie ich mich auf das jahr freue und schliesslich noch in spanisch allen lehrern dankte, waren alle beeindruckt. ziel erreicht! und die freude war gross, auch dies hinter sich zu haben :-)
auch sonst gab's herrliche momente in dieser woche und am wochenende:... fand ich doch zum beispiel (nachdem ich die busstation verpasst habe) heraus, dass nur zwei blocks weiter von meinem zu hause mein lieblingsbeck eine filiale führt! um das heraus zu finden, brauchte ich doch geschlagene drei wochen! aber besser später als nie... und ja, ich freu mich auch über die kleinen dinge im leben! :-)
... oder sind doch meine finanzen in costa rica geregelt: ich bin stolze besitzerin eines costaricanischen bank-kontos. leider jedoch immer noch mit der balance 0, aber auch das wird sich zum glück noch ändern :-)
... oder habe ich doch beispielsweise diese woche die erste mango verspeist! kein kommentar dazu, denn diese süsse mit worten zu beschreiben wäre eine vergebene sache! ;-)
... oder wurde ich doch zeugin des unbezahlbaren gesichtsausdruckes meines freundes, als er in einen echten schweizer käse (gruyere) gebissen hatte. ich habe ja schon immer gesagt, dass die costaricaner von käse keine ahnung haben! er behauptet jetzt das gleiche von den schweizern ;-) tja, so sind die kulturen (und der käse) verschieden...... oder verfertigten wir doch die schönen sushis, die ihr auf dem bild begutachten könnt. durch angemessenes werkzeug wurden sie schliesslich im zweiten anlauf fast so schön wie in einem restaurant.
wie ihr seht, mir wird's nicht langweilig hier und freue mich über die schönen kleinigkeiten in meinem leben, trotz arbeit! ;-)
die erste hürde ist überwunden - die erste woche wurde vollbracht.
"aller anfang ist schwer", sprichwörter sind nicht umsonst, auch in meinem fall ganz zutreffend.
montag: orientation für die lehrpersonen. die kinder konnten noch einen weiteren tag ferien geniessen, währenddem ich mich um halb sechs aus den federn schälte, um halb sieben bereits vor der schule stand und erfahren musste, dass die sitzungen erst um zehn uhr anfangen. toller anfang! :-)
aber das ganze war halb so wild, nach wenigen minuten kamen bereits kollegen herein und die vorstellung konnte beginnen. wieder einmal hatte ich keine ahnung, mit wem ich nun wie sprechen sollte. doch schnell wurde mir klar, dass das spanisch im lehrerzimmer regiert.
die sitzungen finden meist zweisprachig, also auf spanisch und deutsch statt. wenn also eine "normale" sitzung in der schweiz eine stunde dauert, so dauert dies hier zwei stunden. oder vielleicht auch mehr, denn durch mangelnde konzentration der lehrpersonen (!) musste immer wieder eine pause eingelegt werden, damit sich alle wieder beruhigen konnten und fortgefahren werden konnte.
zustände, die ich mir nicht gewohnt bin, aber sagen muss, dass dadurch alles ein bisschen "humaner" und "relaxter" wird. zum nachteil halt eben, dass wir schlussendlich noch um vier in der schule waren, anstatt, so wie geplant, um drei uhr schluss hatten.
dienstag: dieses mal zur richtigen zeit, am richtigen ort. um halb acht begann die erste sitzung, die kinder konnten wieder friedlich zu hause weiter schlafen. nach der ersten sitzung folgte einer der anderen. da ich drei klassen habe (eine zweite, dritte und vierte) musste ich auch an drei sitzungen teilnehmen und immer dasselbe durchkauen: examen-termine finden, projekt-thema austüffteln und wichtige ereignisse planen. die erste sitzung dauerte eine geschlagene stunde. in der letzten konnten wir das ganze auf eine viertelstunde herunterbrechen. das nenn ich effizienz!
und trotzdem wurde der humor nicht vergessen, wurde viel gelacht und ich hatte die gelegenheit, x-mal rot anzulaufen, da mir etliche komplimente über meine spanisch-kenntnisse gemacht wurden. viele konnten nicht glauben, dass ich noch vor einem jahr kein wort spanisch sprechen konnte. als ich dann jedoch erwähnte, dass mein freund ein einheimischer sei... da wurde gelacht und gesagt "ah, la lengua del amor" und alles schien klar zu sein ;-)
als ich an diesem tag noch erfahren durfte, dass eine weitere lehrerkollegin auch in heredia wohnt und in ihrem auto noch freie plätze vorhanden sind, konnte ich mein glück gar nicht fassen. das bedeutet am morgen keinen stress mit dem bus!
mittwoch: 6:20 abfahrt, 6:35 an der schule. wow (mit bus mindestens 40 minuten)!
dieses mal mussten sich auch die kinder aus den betten schälen. die schule hat nun definitiv begonnen...
die erste stunde wurde in der turnhalle abgehalten, begrüssung des direktors sowie des deutschen botschaftlers persönlich war angesagt. die hymnen wurden gesungen, deutsche sowie costaricanische. tja, ich stand da und realisierte, dass ich weder noch mitsingen konnte. noch peinlicher wurde es dann noch, als ich auf die bühne musste, um mich vorzustellen. ohne vorahnung habe ich (vor 700 schüler!) irgendwas ins mikrophon gesagt und hatte schon eine sekunde nach der begrüssung vergessen, was ich eigentlich gesagt habe.
dann gings los, mit "meiner" klasse (im klassenzimmer und nicht im garten! sie haben's also geschafft!).
ich bin klassenlehrerin einer vierten klasse. 24 schüler, die meisten sprechen als muttersprache spanisch. und das merkt man! ich war ziemlich geschockt, dachte ich doch, dass ihre deutsch-fähigkeiten höher liegen... als ein knabe dann noch vor der klasse einem mädchen "er" gesagt hatte und die ganze klasse zu lachen anfing, war mir jedoch auch gleich klar, warum dass sie sich auch so schämen, zu sprechen! wow, da wurde ich wütend und habe den kindern gleich eine rede gehalten! nach dieser waren sie schön ruhig und ich glaube, dass das auslachen zur vergangenheit gehört und hoffe, dass dies dem "ich versuchs mal auch wenns nicht richtig ist" platz macht.
die letzten zwei stunden (ich gebe stets sechs lektionen schule von halb acht bis zwölf) unterrichtete ich in der zweiten klasse. da können sich die kinder aus der 4. eine scheibe abschneiden! obwohl viel jünger, sind diese viel weiter mit dem deutsch. und das wichtigste: sie reden einfach und schämen sich nicht. so wie's halt sein sollte.
dafür haben sie sonstige probleme, wo sie sich bei der 4. was abschneiden könnten: disziplin ;-) aber auch das kriegen wir noch hin.
im ganzen ein super start. so beschloss ich am donnerstag wieder zu gehen :-)
donnerstag: das aufstehen fiel mir leicht, wusste ich doch, dass ich nur vier lektionen schule habe, da die zweite klasse ein spezial-programm hatte.
meine freude wurde jedoch in tausend stücke zerschlagen, als ich erfahren musste, dass ich einer anderen 4. klasse unterricht erteilen muss, da die lehrerin krank war ("was soll ich denn mit dieser klasse machen?" - "ja, mach doch einfach irgendetwas!"). toll! dazu noch, dass ich die zweite klasse trotzdem zum spezial-anlass begleiten musste und dabei sein sollte. toll! so wurde aus dem "ruhigen morgen" ein herum-gehetze. flexibilität! das lerne ich hier! und wie!
neu hatte ich auch noch die 3. klasse in deutsch-muttersprache mit kindern, die deutsche eltern haben. einer davon kommt sogar aus bern, hat also schweizer-eltern ;-) das schöne ist, dass nur acht kinder in dieser klasse sind und jeder lehrer weiss, was unterricht mit nur so wenigen kindern heisst... ich freue mich jetzt schon total auf diese stunden!
freitag: angefangen mit "meiner" vierten, in deutsch-fremdsprache. eine total friedliche stimmung und mein grosses erstaunen, als sie alleine und still arbeiten mussten. die waren wirklich still. ich meine, wirklich, wirklich still! da können sich die kinder aus der schweiz eine scheibe abschneiden!
das pure gegenteil dann dafür in der zweiten klasse. auch kein wunder, meine erwartungen waren ein bisschen zu hoch in der mathe, was die unruhe herauf beschwor und sich nicht mehr verdrängen liess. naja, auch das kriegen wir noch hin :-)
quintessenz: nächste woche werde ich also wieder hin gehen :-) obwohl ich mich nach dieser woche fühle, als ob ich bereits einen monat schule gegeben hätte und es einige dinge gibt, die ich von der schweiz her vermisse, fühle ich mich der aufgabe gewachsen und freue mich auf die kommenden wochen.